Spezialisierte Beteiligungsgesellschaften gehen in Deutschland an den Start
Fonds nehmen marode Firmen ins Visier

Unternehmen, die auf der Kippe stehen, sind das Ziel von neuen Beteiligungsfonds, die an der Sanierung solcher Problemfälle verdienen wollen. Die Konzepte für "distressed investments", die vor allem in den USA verbreitet sind, sollen jetzt auch hier zu Lande greifen. Es mangelt aber an erfahrenen Managern.

HB FRANKFURT. Henrik Fastrich horcht auf, wenn es um verhaftete Geschäftsführer, plötzliche Ergebniseinbrüche oder die drohende Zahlungsunfähigkeit von Unternehmen geht. Für den Partner der Orlando Management GmbH und sein Team gilt: "Bad news is good news"; denn die Münchner Beteiligungsgesellschaft ist ständig auf der Suche nach Unternehmen in Not.

Die Private Equity-Gesellschaft hat bei institutionellen Anlegern für ihren "Special Situation"-Fonds insgesamt 163 Mill. eingesammelt, kürzlich erfolgte die erste Investition in einen österreichischen Anbieter von Automobilzubehör. Noch in diesem Jahr sind weitere zwei bis drei Investments im deutschsprachigen Raum geplant, wobei die Unternehmen mindestens 50 Mill. Umsatz auf die Waage bringen müssen. "Das Angebot ist derzeit sehr groß, das ist wie ein Spiegelbild der jetzigen Konjunkturlage", sagt Fastrich.

Orlando operiert in einem Nischenmarkt des Private Equity-Geschäfts, für den Experten eine wachsende Bedeutung prognostizieren. Solche Spezialfonds seien derzeit heiß diskutiert in der Szene, sagt ein Beobachter, wobei oftmals die Gefahren des Geschäfts unterschätzt würden. "Der Bedarf ist zweifelsfrei da, aber vielen Gesellschaften für außerbörsliche Beteiligungen mangelt es schlicht und einfach an Managern mit operativer Erfahrung in der Industrie", sagt Jeremy Golding von Golding Capital Partners. Anders als in Deutschland seien "distressed investments" in den USA schon ein riesiges Thema. Entsprechend groß ist dort das Angebot an Spezialisten. Allerdings läuft das Geschäft dort in der Regel über "Junk Bonds". Milliardenschwere Fonds sammeln börsennotierte Schuldverschreibungen ein, deren Kurswert oft nur 25 bis 50 Prozent des Nennwerts beträgt. Dann bieten sie den Unternehmen an, auf den Schuldendienst zu verzichten, wenn sie im Gegenzug die Kontrolle über die Eigenkapitalanteile erhalten.

In Deutschland gehen die Spezialisten einen anderen Weg. Die Fonds bieten direkt Eigenkapital für eine Mehrheitsbeteiligung an, über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren sollen das Unternehmen oder der herausgelöste Konzernteil dann auf Wachstums- und Gewinnkurs gebracht werden. Das bedeutet für die betroffenen Unternehmen anfangs harte Veränderungen und den Abbau vieler Privilegien. Dafür werden aber auch Jobs gerettet. Wenn alles gut geht, steht am Ende der Börsengang oder der "trade sale", also der Verkauf an einen strategischen Investor. Bei gelungenen Rettungsaktionen winken Renditen von 25 bis 30 Prozent für die Investoren.

"Wir konzentrieren uns auf solche Unternehmen, die in einer schlechten Ertragslage sind, obwohl sie gute Produkte haben", sagt Hans Albrecht von Nordwind Capital. Der frühere Managing Director der renommierten Private Equity-Gesellschaft Carlyle will insgesamt 300 Mill. Euro für seinen auf Restrukturierungen spezialisierten Fonds einsammeln. "Kaum dass wir angefangen hatten, setzte schon großes Interesse seitens der Investoren ein", sagt Albrecht, der die Fondsmittel in Unternehmen mit Umsätzen zwischen 100 Mill. und einer Mrd. Euro investieren will.

Auch die Orlando-Partner wollen nicht mit ihren Investments auf hoffnungslosen Fällen sitzen bleiben. Über ein spezielles Netzwerk aus Banken, Intermediären und Insolvenzverwaltern suchen sie Firmen oder Konzernteile, die beispielsweise nach Fehlinvestitionen eine schlechte Bilanzqualität aufweisen oder denen nach Schadenersatzklagen eine Schieflage droht. "Wir suchen nach Fehlern, die sich korrigieren lassen", bringt es Fastrich auf den Punkt. Von Unternehmen mit veralteten Produkten oder solchen, bei denen die Mitbewerber schon im Ausland fertigen, lasse man die Finger weg. Hoffnungslose Fälle würden nicht angefasst. Typischerweise investiere man auch nicht in Software-, Internet- und Biotech-Unternehmen. Auf rund 100 geprüfte Zielobjekte komme in der Regel ein Investment.

Die Tatsache, dass solchen Fonds in schweren Zeiten für die Beteiligungsbranche Geld zufließt, hat hellhörig gemacht. "Das wird eine der nächsten Modeerscheinungen am Markt werden", glaubt Nordwind-Manager Albrecht. Mindestens ein bis zwei ähnliche Fonds sind nach Expertenmeinung für 2002 in der Planung, nächstes Jahr könnten es noch mehr werden, wenn die Börsen- und Konjunkturflaute anhält.

Trotzdem ist fraglich, ob es genügend Manager mit entsprechendem Know-how für dieses Geschäft hier zu Lande gibt. "Die Private Equity-Expertise allein reicht nicht, gefragt sind echte Turnaround-Manager und Teams, die sich seit Jahren kennen", sagt Walter Moldan, Partner bei Henderson Private Capital in London. Grundsätzlich sei jetzt aber ein guter Zeitpunkt für solche Fonds, da sie angesichts der Konjunkturschwäche günstig einkaufen können.

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