Spezialisierung und Kostenkontrolle sollen die Erträge der Schweizer Banken wieder sprudeln lassen
Umworbene internationale Privatkunden

Für Schweizer Banken hat das Geschäft mit vermögenden Privatkunden in den letzten Jahren noch an Bedeutung zugenommen. Dieses Geschäft erwies sich trotz Baisse als stabil und profitabel. Während in anderen Bereichen Personal eingespart wurde, blieb die Zahl der Kundenberater stabil.

HB DÜSSELDORF. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die Struktur der Schweizer Bankenlandschaft grundlegend gewandelt. Das eher risikobehaftete Kreditgeschäft mit der mittelständischen Wirtschaft betreiben die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse heute wesentlich restriktiver. So verlangen die beiden Institute Zinsen, die aufgrund der Risikoeinstufung gestaffelt sind. Auch im Hypothekengeschäft, das in der Schweiz eine große Bedeutung hat, werden Beleihungsgrenzen zugrunde gelegt, die eine genügend hohe Sicherheitsmarge berücksichtigen. Schließlich hat der Siegeszug der Informationstechnologie zu einer Reduktion der Zahl der Beschäftigten geführt. Die Folge: Im Filialgeschäft schreiben die beiden Großbanken seit einigen Jahren wieder schwarze Zahlen und dies mit steigender Tendenz.

Die technologische Entwicklung hat speziell die Zahl der Regionalbanken, die hauptsächlich im Hypothekengeschäft tätig waren, durch Übernahmen und Fusionen stark schrumpfen lassen. Von den Kantonalbanken, die früher eine vergleichbare Geschäftsstruktur besaßen, haben zwei-Solothurn und Appenzell Außerrhoden - aufgegeben. Andere Staatsbanken mußten teuer saniert werden. Vor allem größere Kantonalbanken, wie etwa in Zürich oder Basel, haben Segmente, die die Großbanken als weniger lukrativ ansehen, für sich erobert. Dies gilt insbesondere für das Geschäft mit der mittelständischen Wirtschaft. Besonders erfolgreich waren in den letzten Jahren die Raiffeisenbanken. Trotz Rezession erwirtschafteten die im Verband der Raiffeisenbanken kooperierenden Institute 2002 Rekordgewinne.

Die Erfolgsgaranten der Raiffeisenbanken waren die intime Kenntnis ihrer überschaubaren ländlichen Regionen, was zu vergleichweise geringen Kreditausfällen führte. Die Institute konnten so ihre Dienstleistungen zu recht günstigen Kosten anbieten. Da die einzelnen Institute zu klein sind, um spezielle Dienstleistungen selbst zu erbringen, gingen sie Kooperationen ein. So steht hinter den Raiffeisenfonds das Know-how der Bank Vontobel. Im Schweizer Private Banking kooperieren sie mit der Frankfurter DZ Bank, dem Spitzeninstitut der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. An der Cosba in Zürich, die sich auf vermögende Privatkunden spezialisiert hat, sind die Schweizer mit 25 % beteiligt.

Große ausländische Banken versuchen ihre Marktstellung auszubauen

Die Zahl der auf die Vermögensverwaltung spezialisierten Banken ist trotz Übernahmen und Fusionen in etwa stabil geblieben. Vor allem die großen ausländischen Adressen versuchen auch noch heute ihre Marktstellung in der Schweiz auszubauen. So hat z.B. die Deutsche Bank vor wenigen Wochen die Bank Rüd, Blass von der Zurich Financial Services gekauft. Der Schweizer Tochter wurde zudem die Zuständigkeit für das gesamte internationale Private Banking (ohne Deutschland und USA) übertragen.

Auch bei den Vermögensverwaltungsbanken hat der Trend zur Spezialisierung eingesetzt. Die kleineren unter ihnen sind nicht in der Lage, einen vollen Service anzubieten. Die Großen, also Institute wie Julius Bär, Vontobel oder Pictet, versuchen regionale Schwerpunkte zu bilden oder die Kosten durch Kooperationen mit ausländischen Instituten im Griff zu behalten.

Zudem versuchen die Banken durch Segmentierung der Kunden auf die speziellen Bedürfnisse einzugehen. Für sehr große Vermögen wurden "Family Offices" gegründet, die diesen Kunden einen Service von Steuer-, Rechts- und Erbfragen über Investments bis zur Errichtung von Stiftungen alles bieten.

Sicherheit und Kapitalerhaltung

In diesem Marktsegement stehen die Spezialinstitute im Wettbewerb mit den beiden Großbanken und ihren Spezialtöchtern, die wie die selbständigen Privatbanken operieren. In den letzten drei Jahren konnten die Großbanken in der Vermögensverwaltung für Privatkunden Marktanteile gewinnen. Wie immer in Zeiten der Verunsicherung, legten die internationalen Kunden vor allem Wert auf Kapitalerhaltung und, fast noch stärker, auf Sicherheit.

Von den früher fünf Großbanken sind in den letzten Jahren durch Übernahmen und Fusionen nur gerade zwei übrig geblieben. Dabei beschritten UBS und Credit Suisse Group unterschiedliche Wege. Die UBS entschied sich für eine Konzentration auf das Bankgeschäft und widerstand der Versuchung, sich zu einem Allfinanzkonzern zu entwicklen. Heute ist die UBS der weltweit größte Vermögensverwalter. Zwar mußte auch die größte Schweizer Bank Gewinnrückgänge hinnehmen, doch im Vergleich zum Nachbarn Credit Suisse Group und anderen internationalen Wettbewerbern konnte die UBS recht befriedigend abschneiden.

Die Credit Suisse Group entschied sich als einzige Schweizer Bank für das Modell des Allfinanzkonzerns. Die Winterthur Versicherungen waren neben der Investmentbank Credit Suisse First Boston entscheidend für den hohen Verlust des Konzerns 2002. Das neue Führungsduo Oswald Grübel und John Mack mußte durch tiefe Einschnitte in die Kostenstruktur die Grundlagen dafür legen, dass der Konzern wieder zur alten Ertragsstärke zurückkehren kann.

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