Spezialschiff erwartet
Fischereiverbot in Spanien ausgedehnt

An der Nordwestküste Spaniens wird am heutigen Montag das Eintreffen des deutschen Spezialschiffs "Neuwerk" erwartet, das beim Kampf gegen die Ölpest helfen soll. Das Öl- Bekämpfungsschiff war nach dem Untergang des Großtankers "Prestige" von der spanischen Regierung angefordert worden.

HB/dpa LA CORUNA. Es soll das Öl auf hoher See aufsaugen. Die "Neuwerk" wird voraussichtlich zunächst den Hafen La Coruña anlaufen und dort von der Einsatzleitung einen Arbeitsabschnitt zugewiesen bekommen.

Die Regierung der autonomen spanischen Region Galicien ordnete eine Ausdehnung des Fischereiverbots vor der Küste an. Es seien neue Ölflecken auf dem Atlantik entdeckt worden, sagte der galicische Fischereiminister Enrique López Veiga. Die Flecken seien relativ klein, aber sehr zahlreich. Nach Angaben portugiesischer Experten ging die Menge des aus dem Tanker-Wrack ausströmenden Öls zurück.

Die "Prestige" war am Dienstag vor der spanischen Atlantikküste zerbrochen und gesunken. Der Kapitän des Schiffes, Apostolos Mangouras, führte den Untergang auf einen Zusammenstoß mit einem Container zurück. Ein im Meer treibender Transportbehälter habe den Rumpf des mit 77 000 Tonnen Öl beladenen Tankers leckgeschlagen, sagte der griechische Kapitän in einem Interview mit der spanischen Regionalzeitung "La Voz de Galicia".

Mangouras befindet sich in Spanien in Untersuchungshaft. Die Justiz wirft ihm vor, das Hinausschleppen des leckgeschlagenen Schiffs auf das offene Meer behindert zu haben. Der Grieche wies den Vorwurf zurück.

Spaniens Ministerpräsident José María Aznar beriet in der Nacht zum Montag in Madrid mit dem EU-Kommissionspräsidenten Romani Prodi über den Kampf gegen die Ölpest. Die Städte und Gemeinden an der galicischen Küste forderten die EU auf, alle verfügbaren Mittel zur Bekämpfung der Katastrophe bereitzustellen. Umweltschützer und Küstenbewohner hatten der spanischen Regierung zuvor Fehler im Kampf gegen die sich ausbreitende Ölpest vorgeworfen.

Das Tankerunglück hätte auch Deutschland treffen können. "Offenbar hatten wir großes Glück, dass die Katastrophe nicht schon passierte, als der marode Tanker Anfang November durch die Ostsee fuhr", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Wolfgang Methling (PDS) in einem dpa-Gespräch. Die Häfen müssten ihre Kontrollpflichten konsequenter erfüllen. "Ein Schiff vom Zustand der "Prestige" hätte wohl erst gar nicht auslaufen dürfen."

Spanien kündigte eine gemeinsame Initiative mit Portugal an, die Schifffahrtsrouten weiter ins offene Meer hinaus zu verlegen. "Die galicische Küste gleicht einer Autobahn", sagte Außenministerim Ana Palacio. "Ein Schiff folgt dem nächsten, und manche Schiffe sind ökologische Zeitbomben."

Helfer entfernten bislang in mühsamer Kleinarbeit 1 300 Tonnen Ölschlamm von den Küsten. Über 400 ölverschmierte oder verendete Vögel wurden eingesammelt. Die Tendenz sei steigend, sagten Naturschützer.

In Galicien kündigte die Opposition der Sozialisten einen Misstrauensantrag gegen Regierungschef der autonomen Region, Manuel Fraga, an. Der konservative Politiker soll nach Presseberichten während der Katastrophe zu einem Jagdausflug nach Mittelspanien aufgebrochen sein. Fraga bestritt dies.

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