Spezielle Programme für Manager und Vorstände
Mit 50 zurück zur Schule

Auch das Handwerk des Aufsichtsrat will gelernt sein. Führende Business Schools wie IMD (Lausanne) bieten dazu spezielle Programe für erfahrene Manager und Vorstände. Doch was bringen drei Tage am Genfer See wirklich?

LAUSANNE. Die Zeiten werden härter. Vorbei eine Epoche, in der Board-Meetings in den USA Veranstaltungen in Edelholz vertäfelten Herrenclubs glichen und auch in Deutschland Aufsichtsratssitzungen angenehme Herrenrunden waren. Wie auch die "Corporate Governance"-Diskussion in Deutschland zeigt, wächst der Druck auf die Aufsichtsräte, "ihre" Unternehmen besser und effizienter zu kontrollieren. Keine Frage: Die (auch öffentlich erhobenen) Anforderungen an Aufsichtsräte und Board Members werden größer. Dieser Notwendigkeit auch gestandener Manager und Vorstände, das Handwerk des Aufsichtsrats (neu) zu erlernen, begegnet das in Lausanne am Genfer See beheimatete International Institute for Management Development (IMD) mit einem eigenen "International Program for Board Members" (IPBM). Drei Tage verbringen 30 bis 40 Teilnehmer aus aller Welt in der Business School, die zu den drei führenden in Europa zählt.

"Das Programm ist um zwei Fragestellungen herum aufgebaut", erklärt Programmleiter Professor Derek F. Abell. "Das What und das How." Was genau ist die Aufgabe eines Aufsichtsgremiums, wie kann es zum Unternehmenserfolg beisteuern? Das bedeutet, dass sich die IPBM-Teilnehmer erst einmal klar darüber werden müssen, was genau ihr Job als Aufsichtsratsmitglied/Board Member eigentlich ist.

Ideen und Erfahrungen austauschen

"Boards können auf vielfältige Weise zum Unternehmenserfolg beitragen", sagt Professor Abell, "aber zentral für ihre Wirksamkeit ist ihre Fähigkeit, eine Katalysatorrolle zu spielen, ohne direkt ins Management einzugreifen."

Organisiert ist das IPBM wie ein Workshop. Die meiste Zeit verbringen die Teilnehmer damit, in Diskussionen Ideen und Erfahrungen auszutauschen.

IMD wendet auch bei diesem Programm sein Erfolgsrezept an, mit dem es zu einem der führenden Executive Education-Anbieter in Europa wurde: Peer Learning, also das Lernen durch Austausch mit "Kollegen", Konzeptualisierung von Erfahrungen und Problemen aus dem Manageralltag und dem Input aus eigener, praxisorientierter Forschung.

Für das Programm fährt IMD gleich sechs seiner Professoren auf, darunter auch den Deutschen Ulrich Steger und den Business School-Chef Peter Lorange höchstpersönlich. Der Norweger ist selbst Board-Mitglied bei einem halben Dutzend skandinavischer Unternehmen.



Unter www.handelsblatt.com/edu finden Sie die erste Executive-Education-Datenbank im deutschsprachigen Raum. Vertreten sind die meisten international führenden Business Schools, sowohl aus Europa als auch aus den USA.



Nun wird noch jede Business School, die auf sich hält, in ihren Programmbroschüren von internationaler Reputation und hochkarätigen Dozenten und Teilnehmern reden. Wie aber sieht die Realität dieses Programms konkret aus? Wie groß ist sein wirklicher Nutzwert? Handelsblatt ging der Frage nach, und befragte Teilnehmer nach ihren Erfahrungen.

Wolfgang Hössrich, Geschäftsführer der Profil Verbindungstechnik GmbH, nahm im Mai 2002 an dem Programm teil. Für die nächsten Jahre plant der mittelständische Unternehmer aus der Autozulieferindustrie seine 170-Mitarbeiter-Firma in eine Gesellschaft mit Aufsichtsrat zu verwandeln. Die IPBM-Teilnahme sollte als Vorereitung dazu dienen. Im Gespräch zeigt sich Hössrich mit dem "anspruchsvoll teueren" Programm, das es erlaube "auf Schweizer Art und Weise sinnvoll mit seiner Zeit umzugehen", zufrieden. Man spürt, wie viel Spaß ihm die Arbeit mit Fallstudien gemacht hat und wie interessant der Gedankenaustausch etwa mit Teilnehmern aus der Türkei oder Dubai war. Erstaunlich dabei der Umstand, dass die meisten Teilnehmer nicht aus großen internationalen Konzernen stammten. "Ich fühlte mich da als deutscher Mittelständler, die ja auch sehr international sind, keineswegs verloren."

Gesunder Menschenverstand ist wichtig

Aber wie viel von dem Vermittelten ist wirklich umsetzbar? "Konkret nutzen können Sie nix - oder alles", sagt Hössrich, der sich mehr konkrete Anregungen gewünscht hätte. "Wir gehen alle mit Menschen um, und Sie müssen auch als Aufsichtsrat Menschen im Unternehmen die richtigen Fragen stellen, damit sie die richtigen Antworten bekommen." 9 000 Schweizer Franken Programmgebühr nur für die "Bestätigung, dass gesunder Menschenverstand wichtig ist"? Angesichts des Preises zögert Hössrich, der selbst durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf IMD aufmerksam wurde, ob er das Programm Bekannten weiterempfehlen würde, sagt dann aber doch: "Ja, denen würd? ich sagen: Probier?s doch ?mal."

Für Joergen Nue Moeller hingegen sind Boards nichts Neues. Seit zwanzig Jahren sitzt der dänische Top-Banker, heute Chairman der RealDanmark-Stiftung, in Aufsichtsräten. Und dennoch nimmt er alle zwei Jahre an IMD-Programmen teil: "Ich lerne noch immer." Für ihn war IPBM vor allem die Gelegenheit, seine "Meinungen zu testen und mit den Ergebnissen akademischen Nachdenken zu konfrontieren." Dabei schätzt er besonders, dass die IMD-Professoren auch selbst praktische Erfahrungen haben. "Natürlich ist es für Board-Mitglieder wichtig, gesundes Urteilsvermögen zu haben, das nur mit Erfahrung kommt. Aber es gibt auch Dinge, die man lernen kann." Und Neues, wie zum Beispiel Risiko-Management. "Letztlich ist es genauso notwendig, die Arbeit eines Boards zu organisieren, wie die des Managements."

Von der "stimulierenden Umgebung" profitieren daher auch Menschen, von denen man kaum annehmen würde, dass sie Nachhilfe in Sachen Aufsichtsrat nötig haben: So ist zu erfahren, dass selbst Andre Hoffmann in diesem Jahr am IPBM teilnahm. Der Multimilliardär, der als reichster Schweizer gilt, sitzt als Urenkel des Firmengründers von Hoffmann-La Roche u.a. als kontrollierender Aktionär im Verwaltungsrat des Basler Pharmakonzerns.

Quelle: Handelsblatt

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