Spiegel-Redakteure belauschten Alt-Kanzler
Kohl äußert sich nicht zu Thierse-Beleidigung

Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU) hat es auch am Montag abgelehnt, sich zu seiner angeblichen Verunglimpfung von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zu äußern.

HB/dpa BERLIN. Kohl soll nach Berichten von zwei "Spiegel"-Journalisten Thierse mit dem Nazi- Politiker Hermann Göring verglichen haben. Das Büro des ehemaligen Bundeskanzlers und CDU-Vorsitzenden teilte am Montag in Berlin mit, Kohl äußere sich nicht zu privaten Gesprächen und kommentiere sie auch nicht.

Kohl hatte nach Angaben der Journalisten in kleiner Runde über Thierse gesagt: "Das ist der schlimmste Präsident seit Hermann Göring." Den Vergleich mit dem Reichsluftmarschall und zeitweiligen Reichstagspräsidenten wollen die Journalisten am vergangenen Donnerstag nach der Sondersitzung des Parlaments zur Flutkatastrophe im Bundestags-Restaurant zufällig von einem Nebentisch aus mitgehört haben.

Die Grünen erwarten von Kohl eine Entschuldigung bei Thierse. Kohls Äußerung mache deutlich, "welche Geistesart bei ihm herrscht", sagte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth am Montag nach einer Vorstandssitzung in Berlin. "Wir erwarten eine Entschuldigung." Die PDS-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Petra Bläss meinte, sollte sich Kohl tatsächlich so geäußert haben, hätte er gegen den Konsens der Demokraten verstoßen. Die Gleichsetzung eines der schlimmsten Vertreter des Nazi-Regimes mit dem zweithöchsten Repräsentanten der Bundesrepublik sei "ein ungeheuerlicher Vorgang".

"Vergleich ist völlig inakzeptabel"

Laut "Spiegel" saß Kohl im Restaurant mit Ex-Verteidigungs- Staatssekretär Willy Wimmer (CDU), dem früheren Staatsminister Bernd Schmidbauer (CDU), dem ehemaligen Wirtschaftsminister Helmut Haussmann (FDP) und dem CDU-Abgeordneten Roland Pofalla zusammen. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering zeigte sich erstaunt, dass die vier sich anschließend nicht zu dem angeblichen Kohl-Zitat äußern wollten. Thierse hatte in der Unions-Fraktion während der Bundestagsdebatte Empörung ausgelöst, weil er während der Rede von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber sehr spät gegen rot-grüne Zwischenrufer eingeschritten war.

Wimmer habe die Äußerung des Ex-Kanzlers weder bestätigen noch dementieren wollen: "Ich kann Ihnen nur raten, sprechen Sie mich nicht auf dieses Thema an", zitiert der "Spiegel" den Politiker. Pofalla sagte am Montag, er äußere sich grundsätzlich nicht zu Privatgesprächen mit Abgeordneten. Schmidbauer und Haussmann wollten Kohls Äußerung nicht gehört haben, schrieb das Magazin. Auch die FDP hatte die angeblich Äußerung verurteilt. Generalsekretärin Cornelia Pieper meinte: "Auch wenn es an der Amtsführung Wolfgang Thierses manches zu kritisieren gibt, ist dieser Vergleich, wenn er so angestellt wurde, völlig inakzeptabel."

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