Spiegel warnt vor zunehmendem Rechtsextremismus
Synagoge in Dresden geweiht

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, hat vor zunehmendem Rechtsextremismus in Deutschland gewarnt. Bei der Weihe der neuen Synagoge am Freitag in Dresden wies Spiegel darauf hin, dass viele junge Leute für menschenverachtende Ideologien empfänglich seien.

ap DRESDEN. Das beste Mittel gegen Antisemitismus sei, Juden persönlich zu kennen und über ihre Kultur Bescheid zu wissen.

Gleichzeitig übte er Kritik an Juristen und Staatsanwälten und verwies in diesem Zusammenhang auf die Ansicht des sächsischen Generalstaatsanwaltes Jörg Schwalm, wonach das Rufen der NS-Parole "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" nicht strafbar sei. Es sei erschreckend, wenn Juristen der Ansicht seien, dass es sich dabei um eine zulässige Meinungsäußerung handele. Er sei dem sächsischen Justizminister Manfred Kolbe (CDU) dankbar, dass er diese Entscheidung von Schwalm korrigiert und zugleich klargestellt habe, dass "niemand solche Äußerungen ungestraft brüllen kann", sagte Spiegel.

Den 9. November 1938, die Pogromnacht der Nationalsozialisten, bezeichnete der Präsident als Tag des entfesselten Hasses. Niemand habe danach mehr sagen können, er habe nichts gewusst, denn vor aller Augen "waren die Juden ihren Peinigern ausgesetzt." In der so genannten Reichskristallnacht wurden Synagogen angezündet, jüdische Geschäfte geplündert und Menschen ermordet.

Die neue Synagoge sei Ausdruck des jüdischen Lebens und der Wille, an einem Ort bleiben zu dürfen, betonte Spiegel. Zugleich verwies er auf die wachsende Anzahl jüdischer Mitbürger in Deutschland. 1989 habe es in der Bundesrepublik 25 000 gegeben, heute seien es bereits 90 000. Damit sei die jüdische Gemeinde in Deutschland die drittgrößte in Europa und eine der am stärksten anwachsenden in der Welt.

Zu Beginn der Weihe wurden die Torarollen in einer feierlichen Prozession in die Synagoge getragen und dann in den Toraschrein hineingehoben. Anschließend wurde das ewige Licht feierlich entzündet. An der Veranstaltung nahmen auch Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) sowie der Botschafter der Vereinigten Staaten, Daniel Coats, teil.

Der 21,5 Millionen Mark teuere Neubau wurde an der Stelle in Dresden errichtet, wo die erste im Jahre 1840 geweihte Sempersynagoge stand. Sie wurde während der Reichspogromnacht 1938 vollständig zerstört. In Dresden lebten bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 rund 5000 Juden, heute hat die Gemeinde 400 Mitglieder.

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