Spiel der letzten Chance
Bayern brauchen neues "Wunder von Mailand"

Alle beschwören ein neues "Wunder von Mailand", doch ausgerechnet an der Stätte des Champions-League-Triumphs von 2001 droht dem FC Bayern München die wohl bitterste Stunde im Fußball-Europapokal. Die düsteren Gedanken an einen erstmaligen Vorrunden-K.o. in der Europaliga wurden vor dem Spiel der letzten Chance am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL und Premiere) gegen den AC Mailand allerdings zum Tabu-Thema erklärt.

dpa/HB MAILAND. "Ich freue mich, dass es endlich losgeht. Wir können beweisen, dass wir doch noch zu den besten Teams in Europa gehören", sagte Trainer Ottmar Hitzfeld. Manager Uli Hoeneß ergänzte: "Ein Ausscheiden ist nicht in unserer Planung. Um besser zu sein als wir, müssen die Mailänder rennen wie die Geisteskranken."

Auch wenn Franz Beckenbauer den Einzug in die Zwischenrunde "für fast ausgeschlossen" hält, bemühte sich die Vereinsführung darum, den Druck auf die Spieler nicht noch mehr zu erhöhen. "Wir sollten jetzt nicht verrückt spielen und es zu einem Super-GAU hochstilisieren, wenn wir rausfliegen sollten", meinte Hoeneß. Hitzfeld erwartet nach den Hinrunden-Pleiten gegen La Coruna und Milan endlich einen großen Sieg als Befreiungsschlag. "Wir haben in dieser Saison noch nicht in einer kritischen Situation bewiesen, dass wir den Spieß umdrehen können", sagte der Trainer, der kontrollierte Offensive verordnet: "Wir müssen gewinnen, aber wir dürfen nicht ins offene Messer laufen."

Stolze Vergangenheit der Bayern in Mailand

Immer wieder wurde auch am Dienstag an die stolze Vergangenheit des FC Bayern im Giuseppe-Meazza-Stadion erinnert. "Wir haben dort schon einmal etwas schier Unmögliches geschafft", sagte Rummenigge in Erinnerung an das legendäre 3:1 gegen Milans Ortsrivalen Inter, mit dem die Bayern vor 14 Jahren nach einer 0:2-Hinspiel-Niederlage doch noch den Einzug ins Viertelfinale des UEFA-Pokals schafften.

Um der im Herbst 2002 drohenden Strafversetzung in eben diesen UEFA-Cup zu entgehen, muss der Weltpokalsieger von 1976 und 2001 punkten. Denn mit nur einem einzigen Zähler liegen die Bayern in Gruppe G hinter Milan (9) und La Coruna (6) fast aussichtslos zurück im Kampf um Platz 1 und 2. Gewinnen die Bayern am Mittwoch in Mailand nicht und La Coruna siegt zeitgleich beim RC Lens, ist auch rechnerisch für Bayern alles aus.

Alle elf Spieler müssen Top-Leistungen abrufen, aber drei sind besonders gefordert: 1. Oliver Kahn: Der Torhüter muss sich in Mailand wieder einmal als "Matchwinner" präsentieren, so wie er es auf den Tag genau vor 17 Monaten mit drei gehaltenen Elfmetern beim Finalerfolg gegen den FC Valencia tat. "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir gewinnen", sagte der Kapitän. 2. Michael Ballack: Der neue Mittelfeld-Chef muss beweisen, dass er ein "Leitwolf" ist, wie es sein Vorgänger Stefan Effenberg beim Titelgewinn 2001 mit zwei verwandelten Elfmetern im Endspiel war. 3. Giovane Elber: Der Brasilianer hat in dieser Saison auswärts noch nicht getroffen, ist deswegen gereizt und hat sich selbst einen Maulkorb verpasst. Der Torfluch des Schweigers auf Zeit soll ausgerechnet am Mittwoch enden. "Ich hoffe, dass Giovane einen guten Tag hat", bemerkte Hitzfeld.

Positiv stimmt ihn, dass er in Mehmet Scholl und Roque Santa Cruz wieder zwei wertvolle "Joker" auf der Bank hat. Den kurzfristigen Ausfall von Owen Hargreaves (Muskelfaserriss) kann er verschmerzen. Wichtiger ist, dass seine Abwehr beim 1:0 in Rostock endlich wieder einmal "zu Null" spielte. Als Belohnung dürfen Samuel Kuffour und Robert Kovac auch in Mailand die Innenverteidigung bilden; WM-Held Thomas Linke muss wieder auf die Ersatzbank. Kuffour und Kovac sollen vor allem Milans gefürchteten Torgaranten Filippo Inzaghi stoppen, der beim 2:1-Sieg der Italiener im Hinspiel beide Treffer erzielte. "Wir müssen höllisch auf ihn aufpassen", weiß Kovac: "In München hat er die zwei Chancen, die er hatte, beide verwandelt."

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