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Spiel, Satz, Niederlage

In der Wirtschaft geht es oft zu wie auf dem Spielfeld - das muss auch Boris Becker feststellen.

Um ein Tennisspiel auf langsamem Sand zu gewinnen, braucht es Kondition, Durchhaltevermögen, Geduld und einen eisernen Willen. Fünf Sätze im Hitzekessel Roland Garros bei Paris, dem Spielort der French Open, sind so schlimm wie fünf Wochen fallende Kurse an den Aktienmärkten. Boris Becker hat kein einziges Mal ein Sandturnier gewonnen.

Auch in der digitalen Wirtschaft fehlt es ihm an Durchhaltevermögen. Mit viel Tamtam wurde Sportgate angekündigt, ein Sportportal, bei dem der Leimener 55 Prozent übernahm. Auch die anderen Gesellschafter ließen aufhorchen: Pixelpark-Ikone Paulus Neef stieg ein, Pixelparks Wagniskapital-Arm Venturepark und schließlich auch der Deutsch Sport-Bund stießen dazu - eine illustre Runde. Doch Sportgate kam mehr schlecht als recht ins Spiel, die Idee eine Plattform für die 87 000 deutschen Sportvereine zu etablieren, stieß bei denen auf wenig Begeisterung.

Boris Becker hatte anscheinend das Spiel schon vor dem fünften Satz verloren gegeben: Er traf sich zwar noch mit Neef, angeblich war man sich einig, einen neuen Investor ins Boot zu nehmen - doch dann ließ Becker nichts mehr von sich hören. Es scheint zu sein wie einst in Roland Garros: Wenn Becker keine Chance mehr sieht, dann steckt er auf.

Auch andere Ex-Sportstars versuchen sich als Unternehmer

Und er ist nicht der einzige emeritierte Sport-Star, der sein Leben im Stadion in der digitalen Welt fortsetzt: John Elway, einst Spielmacher des Football-Teams Denver Broncos, versiebte seine erste Internet-Chance - der Sportartikelhändler MVP.com, den er mit begründete, ist pleite. Elway war zu seiner aktiven Zeit dafür bekannt, dass er einige Versuche brauchte, um auf Touren zu kommen.

Steve Young dagegen, Ex-Spielmacher der San Francisco 49ers, konnte nie ohne starke Nebenleute Erfolge erzielen. Jetzt holt er sich Wagniskapital ins Boot für seine Online-Eintrittskarten-Börse Liquidseats.

Und auch der ehemalige Football-Star-Verteidiger Ronnie Lott hält es wie auf dem Rasen: Er investierte ganz defensiv Geld in einen Venture-Capital-Fonds und überlässt anderen die Angriffsentscheidungen: "Als Sportler sind wir nicht gerüstet für solche Geschäfte", gibt er offen zu. Boris Becker hätte ihn vielleicht mal fragen sollen. Aber auf der anderen Seite: Becker hat ja auch nie auf seine Trainer gehört.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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