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Spiele: Das Quartett erlebt ein Comeback

Berlin (dpa) - Für viele gehört es zur Schulzeit wie Pausengong und Nutella-Brot: das Quartettspiel. Im Zuge der Retrowelle, die auch schon die Tischtennisplatte wieder szenetauglich gemacht hat, ist das Kartenspiel bei der Generation Golf der um die 30-Jährigen wieder schwer in Mode.

Berlin (dpa) - Für viele gehört es zur Schulzeit wie Pausengong und Nutella-Brot: das Quartettspiel. Im Zuge der Retrowelle, die auch schon die Tischtennisplatte wieder szenetauglich gemacht hat, ist das Kartenspiel bei der Generation Golf der um die 30-Jährigen wieder schwer in Mode.

Während früher um Hubraum, PS und Geschwindigkeit gefeilscht wurde, geht es heute um kuriose Kategorien. Beim Berliner «Dönerquartett» ist die Zahl der Brüder des Imbissbesitzers gelistet, beim «Plattenbauquartett» wie dick die «Platte» ist.

Quartette gibt es in Deutschland seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. 1952 kam die erste Variante mit Autos auf den Markt. Viele Jungen spielten und spielen seitdem gern mit «Heißen Öfen», ob Motorrad, Mähdrescher oder Rennauto. Der Berliner Tüftler Bernd Friedrich nahm dies wörtlich und legte ein gleichnamiges Quartett mit Herden und anderen Öfen auf, bei dem man zum Beispiel mit dem «Siemens» gegen «Landmann» antritt. Die Bilder der verdreckten Herde sind dabei nicht immer appetitlich.

Wer es ästhetischer mag, kann zur Plattenbauvariante greifen, die der Berliner Cornelius Mangold erfunden hat. Die Bilder und Texte sind so aufwendig, dass es das Spiel schon in manches Architekturfachblatt geschafft hat und in den Souvenirläden schon fast zum Standard gehört. Der «Designreport» lobte es als «eine Dokumentation mit vier Geschichten, ästhetischen Fotografien und exakt recherchierten Eckdaten».

Der jüngste Quartett-Streich gelang Pool 72 aus Hannover, die bei einem Berlin-Besuch den Charme der Dönerbuden entdeckten und 32 Imbisse für das Kartenspiel festhielten. Die Idee hatten sie bei einem nächtlichen Streifzug durch die Stadt, dann recherchierten sie mit einem türkischen Freund vor Ort. «Damit ging es um einiges schneller und auch lockerer», erzählt Leif Hesse. «Die Gestaltung war uns wichtig, es sollte aber auch Spaß machen.»

Für Feingeister, die sich für knoblauch-getränkte Fladenbrote nicht begeistern können, gibt es das «Literarische Quartett». Mit Poesie und Inhalten ist dabei nichts zu holen, gepunktet wird mit den meisten Romanen, Verfilmungen und Preisen: So «sticht» beispielsweise Günter Grass mit 28 Auszeichnungen die Konkurrenz aus. Lehrreich gibt sich das 2000 erschienene Spiel «Das ewig Weibliche zieht uns hinan. Frauen um Goethe.» Der Dichter ist dabei auf der 33. Karte abgebildet. Als Schwarzer Peter.

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