Spieler leben Technik-Fanatismus aus
Soziologe lehnt pauschales Verbot von Kriegsspielen ab

Ein pauschales Verbot von Kriegsspielen als Konsequenz aus dem Blutbad von Erfurt ist für den Soziologen und Computerspezialisten Hartmut Gieselmann kein geeignetes Mittel, um solche Verbrechen zu verhindern.

dpa HANNOVER. "Militärsimulationen fördern nicht die Aggressivität der Spieler, zeichnen aber ein verharmlostes Bild von Krieg und Konflikt", sagte Gieselmann in einem Gespräch.

Wirksamer als ein generelles Verbot sei, die Spiele vor der Freigabe genauer auf ihre Inhalte zu überprüfen. Dabei gehe es nicht nur um die direkt gezeigte Gewalt. Kritisch seien Spiele, in denen Töten als rein technischer Vorgang vermittelt und die Realität imitiert werde: "In manchen Simulationen können die Spieler Abbilder echter Waffen in Szenarien wie Stadien oder Straßen ausprobieren und auf Menschen feuern", sagte Gieselmann.

Der Soziologe hat einige der bekanntesten Spiele sowie ihre Wirkung auf die Spieler untersucht. Die Folgen hat Gieselmann in den Diskussionsforen im Internet festgestellt: "Hier leben die Spieler ihren Technik-Fanatismus aus, diskutieren über die Durchschlagskraft und die Kaliber schwerer Waffen, aber nie über die Schäden, die solche Waffen anrichten können." Selbst die Militärs einiger Länder nutzten die Kriegsspiele als "Simulatoren zweiter Klasse". Für Programme wie "Counterstrike", das der Amokläufer von Erfurt gespielt haben soll, hätten die Programmierer nach Plänen der Waffenindustrie gearbeitet.

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