Spieler verweigern Interviews
Wortlos ans Kreuz genagelt

Die Öffentlichkeitsarbeit des DFB sorgte schon oft für Verdruss. Auch bei der WM in Asien schafft es der größte Sportfachverband der Welt immer wieder, ins Fettnäpfchen zu treten.

SEOGWIPO. Der Präsident höchstpersönlich war gekommen. Gerhard Mayer-Vorfelder saß grienend auf dem Podium des deutschen Medienzentrums in Seogwipo und verkündete Wichtiges. Denn die Strategen des Deutschen Fußball-Bundes hatten bezüglich ihrer Reisepläne innerhalb von 24 Stunden eine erneute Kehrtwende vollzogen. Falls Deutschland am Freitag das Viertelfinale gegen die USA gewinnt, wird der Tross nun doch - wie seit langem geplant - auf die Insel Jeju zurückkehren und nicht nach Seoul umziehen. "Im Sinne der Partnerschaft mit den elektronischen Medien" sei die Entscheidung getroffen worden, so Mayer-Vorfelder. Eine peinliche Randgeschichte der deutschen WM-Exkursion hatte ihr vorläufiges Ende genommen.

Das amateurhafte Hin und Her wirft freilich ein bezeichnendes Licht auf das Selbstverständnis des größten Sportfachverbandes der Welt. In Sachen Organisation und Öffentlichkeitsarbeit geht bei Großereignissen fast immer etwas schief. Meist sind es banale Dinge, die Explosionsgefahr auslösen. "Der DFB ist ein einziger Sauhaufen", schimpfte am Montag ein Journalist, der in Asien schon seine sechste Weltmeisterschaft erlebt. Dass der Verband mit seiner plumpen Abschottungs- und Verhinderungstaktik, diesmal gepaart mit naiven Fehlern bei der Reiseplanung, nicht nur die Berichterstatter, sondern letztlich die Fans trifft, hat offenbar niemand im Hause der allzeit stolzen nationalen Fußballbehörde verstanden.

Nur Kamerun stellte sich noch dümmer an

ARD, ZDF und Premiere hatten sich wegen der kurzfristig ausgekungelten Umzugspläne per Protestschreiben massiv beschwert und weigerten sich, ein weiteres deutsches Medienzentrum in Südkoreas Hauptstadt aufzubauen. Erst nach dieser Drohung erkannten die DFB-Funktionäre, wie hanebüchen ihre Idee war. Seit Monaten ist bekannt, wo die Mannschaft im Erfolgsfall spielt. Doch erst fünf Tage vor dem Viertelfinale machte man sich Gedanken darüber, wo man anschließend zu nächtigen und trainieren gedenkt. Nur Kamerun stellte sich beim Ausarbeiten der WM-Trips noch dümmer an: Das Team benötigte für die Anreise nach Asien 44 Stunden. "Wenn wir sonst keine Probleme haben, haben wir wohl alles richtig gemacht", wollte Teamchef Rudi Völler von der Planungsposse nichts mehr hören.

Die sportliche Leitung hatte für einen Umzug plädiert, um sich einen Flug zu sparen und damit Reisestrapazen zu minimieren. Ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke, der nur etwas spät in den DFB-Köpfen Einlass fand. Völler und Co. mussten schließlich zurückgepfiffen werden und blieben Antworten zu diesem Komplex weitgehend schuldig. Auch Mayer-Vorfelder trug wenig Erhellendes bei. Einen Fragesteller beschied er am Montag mit der schlichten Feststellung: "Nun seien Sie doch froh, dass wir die Entscheidung wieder rückgängig gemacht haben."

Dumm gelaufen, die Sache mit den Interviews

Schon am Sonntag hatte der DFB bewiesen, dass er auch seine hoch bezahlten Protagonisten nicht im Griff hat. Nach dem Training sollte für die Journalisten die Gelegenheit zu Gesprächen mit den Spielern bestehen. Doch die meisten Akteure marschierten wortlos in den Mannschaftsbus. Abweichler Sebastian Kehl, der gerade ein Fernsehinterview beginnen wollte, wurde von der Presseabteilung im Auftrag Völlers gestoppt. Abrupt endete ein armseliges Schauspiel, das beweist, dass es mit der Bodenhaftung vieler Nationalspieler nicht weit her ist. Völler war nach eigener Aussage "auch nicht glücklich, wie das gelaufen ist. Das war nicht gut organisiert". Um dann auf Italien zu verweisen, wo es die "silencio stampa" gebe. "Wenn dort ein Spieler nichts sagen will, verstehen das die Journalisten", meinte der Teamchef. "Wenn das aber bei uns einer so macht, wird er gleich ans Kreuz genagelt." Gemach, gemach: Noch hat es keinen Spieler erwischt.

Derweil merkte Mayer-Vorfelder an, dass "keiner gezwungen werden kann, etwas zu sagen". Etwas Leistung, auch außerhalb des Platzes, darf der DFB aber wohl erwarten. Immerhin sind jedem Spieler für die Viertelfinal-Teilnahme 35 800 Euro sicher, für die WM-Qualifikation gab es bereits bis zu 128 000 Euro. Und am Jahresende wartet pro Nase noch eine sechsstellige Summe aus dem Sponsorenpool.

Mediales Krisnmanagement ist jetzt Chefsache

Dass bei der Außendarstellung der Nationalelf vieles im Argen liegt, ist keine neue Erkenntnis. Der Verband unternimmt jedoch herzlich wenig, um dies zu ändern. Im Gegenteil. Trainingseinheiten wurden in den vergangenen Tagen verschoben oder auf andere Plätze verlegt, ohne dass es darüber Informationen gegeben hätte. Nebulöse Regeln des Weltverbandes Fifa dienen als willkommene Ausrede für eingeschränkte Medienkontakte.

Auf der anderen Seite ist auch der Verband Deutscher Sportjournalisten nicht gerade die Institution, die Ärgernisse hartnäckig anspricht. Wie handzahm der VDS ist, zeigte sich unlängst nach den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City. Im Verbandsorgan "Der Sportjournalist" wurde die Arbeit von NOK-Sprecher Klaus Angermann in höchsten Tönen gewürdigt, obwohl der bei den Pressekonferenzen nach allgemeiner Auffassung zur bedauernswerten Lachnummer geraten war.

Für eine solche Rolle hätten sie auch beim DFB ein paar Kandidaten. Doch fortan ist das mediale Krisenmanagement allein Chefsache. Mayer-Vorfelder gab der Zuhörerschaft den jovialen Rat: "Beim nächsten Mal greifen sie einfach zum Hörer und rufen mich an. Dann klären wir das direkt."

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