Spielerinnen und Trainer ziehen positives Fazit: DEB-Puckjägerinnen wollen männliche Nachhilfe

Spielerinnen und Trainer ziehen positives Fazit
DEB-Puckjägerinnen wollen männliche Nachhilfe

Nach der Olympia-Lehrstunde wollen die deutschen Eishockey-Frauen bei den Männern Nachhilfeunterricht nehmen. "Die Vereine sollen uns die Chance geben, mit den Jungs zu trainieren und zu spielen", forderte Julia Wierscher, die beim 1:3 gegen Finnland das erste deutsche Olympia-Tor schoss.

dpa SALT LAKE CITY. Das vorzeitige Aus im Kampf um die Medaillen konnte die Stürmerin der Bergkamener Eisbären nicht verhindern, aber ihr Fazit vor dem letzten Gruppenspiel am Samstag (22 Uhr MEZ) gegen China fiel positiv aus: "Wir haben gezeigt, dass das deutsche Frauen-Eishockey schneller, technisch besser und attraktiver geworden ist."

Bundestrainer Rainer Nittel trauerte nach der Niederlage gegen den Olympia-Dritten von Nagano der verpassten Chance nach, das Halbfinale des Frauen-Turniers zu erreichen. "Nach Julias Treffer war richtig Feuer in unserem Spiel. Wenn wir 60 Minuten so gespielt hätten, wer weiß, was passiert wäre", sagte der 34-jährige Coach. Ein Traum sei zu Ende, meinte Nittel, "aber die richtige Arbeit beginnt erst jetzt, denn wir wollen unseren fünften Platz von der letzten Weltmeisterschaft wiederholen".

Wenn Olympiasieger USA, der dem deutschen Team beim 10:0 einen schmerzhaften Olympia-Auftakt verpasste, und Rekord-Weltmeister Kanada am kommenden Donnerstag wie in Nagano wohl wieder um die Goldmedaille streiten, bastelt Nittel bereits an neuen Konzepten. Auch er forderte die Clubs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auf, ihre Türen für die Mädels zu öffnen und ihnen eine gemeinsame Ausbildung mit dem männlichen Nachwuchs zu ermöglichen, "das würde uns einen immensen Schub geben".

Zunächst aber blicken Julia Wierscher und ihre Kameradinnen neidisch nach Nordamerika. In Kanada jagen 53 221 "Amazonen" dem Puck hinterher, in den USA sind es 37 028. Deutschland liegt mit 2 129 Spielerinnen noch hinter Finnland mit 2 234. "Wir brauchen Ausbildung und Wettbewerb auf höchstem Niveau. Das bietet unsere Bundesliga nicht, weil es nicht genug Clubs und Hallen gibt", meinte Nittel.

Seiner Ansicht nach kann es noch zehn Jahre dauern, ehe man einem Team wie dem der USA Paroli bieten könne, das während der fast zwei Jahre langen Olympia-Vorbereitung auch gegen 16-jährige Jungen spielte. "Aber wir sind auf dem richtigen Weg. Die Lücke zu den Großen wird kleiner", meinte Julia Wierscher, "wenn wir unsere Chancen besser nutzen, sieht es beim nächsten Mal ganz anders aus."

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