Spielfilme sollen weiter verbreitet werden
Sony plant TV-Sender in Deutschland

Das Hollywood-Studio Sony Pictures plant einen Fernsehkanal in Deutschland. Die Film- und Fernsehtochter des japanischen Elektronikriesen ist stark an einer Zusammenarbeit mit T-Online interessiert.

LOS ANGELES/DÜSSELDORF. "Wir wollen einen eigenen Kanal im deutschen Markt etablieren. Ich bin überzeugt, dass es gute Gelegenheiten für einen solchen Kabel- oder Satellitenkanal gibt", sagte Sony-Fernsehchef Michael Grindon dem Handelsblatt. Wann der Spielfilmkanal an den Start gehen soll, wollte der Präsident von Sony Pictures Television International allerdings noch nicht sagen. Sony denkt an eine Verbreitung eines solchen Spielfilmkanals über das Bezahlfernsehen Premiere, über Kabelnetzbetreiber sowie über das Internet. "Es gibt viele Möglichkeiten, unsere Inhalte zu verbreiten", sagt Grindon. Derzeit betreibt Sony Pictures weltweit bereits 36 Kabel- und Satellitenkanäle. "Wir beobachten aufmerksam, wie sich der Kabel- und Breitbandmarkt entwickelt, dann treffen wir unsere Entscheidung", sagte der langjährige Sony-Manager in der Zentrale der Film- und Fernsehtochter in Culver City (Kalifornien).

Bei Premiere rennt das Hollywood-Studio mit seinen Plänen offene Türen ein. "Ein Sony-Kanal auf Premiere wäre eine Bereicherung", sagte gestern Georg Kofler, Chef des Bezahlsenders, der nach eigenen Angaben fast 2,7 Millionen Abonnenten hat. Im Gegensatz zu Sony ist die Hollywood-Konkurrenz in Deutschland längst mit eigenen Kanälen präsent. Erst im April startete Metro-Goldwyn-Meyer (MGM) auf Premiere einen eigenen Filmkanal. Disney und Universal sind dort ebenfalls mit jeweils zwei Kanälen vertreten. Die Filmtochter des Medienriesen Vivendi Universal plant bereits einen neuen Kanal. "Unser neuer Sciene-fiction-Kanal Sci-Fi wird im Herbst auf Premiere starten", kündigt Universal-Manager Wolfram Winter an. In Branchenkreisen wird als Sendebeginn September oder Oktober genannt. Der Kanal Sci-Fi läuft bereits mit großem Erfolg in den USA, Großbritannien und Südafrika.

Sony steht derzeit unter Druck. Um aus den roten Zahlen zu kommen, sollen nach dem Willen von Konzernchef Nobuyuki Idei die Elektronikprodukte - TV-Geräte, Stereoanlagen und Spielekonsolen - stärker mit dem Internet verbunden werden. Gleichzeitig will der Konzern den Vertrieb von Inhalten ausbauen. Sony ist in Hollywood der einzige Konzern, der in der Lage ist, Geräte mit Filmen, Spielen und Musik zu verknüpfen. "Wir glauben an die Konvergenz von Computer, TV, Internet und Videospielen - so geht die Produktion von Film und Videospielen Hand in Hand, wie das Beispiel ,Spider-Man? zeigt", beteuert Grindon. Mit dem Hollywood-Superhelden Spider-Man verdiente Sony im Kino, mit Filmmusik-CD, Computerspiel, DVD und über die TV-Rechte. Im vergangenen Jahr erzielte Sony Pictures den Rekordumsatz von knapp 6,7 Mrd. $. "Unsere Integration läuft im Vergleich mit anderen Medienunternehmen wie Vivendi Universal ausgezeichnet", sagt Grindon.

Im Rahmen der Vertriebsoffensive ist Sony stark an einer Zusammenarbeit mit dem Internetunternehmen T-Online interessiert. "Angebote im Breitband haben für uns eine ausgesprochen hohe strategische Bedeutung", sagt Grindon, der für den internationalen Filmrechtevertrieb zuständig ist. T-Online will im Herbst mit Video-on-Demand an den Start gehen. Die Gespräche auch mit anderen Studios wie Disney oder MGM laufen bereits auf Hochtouren.

Sony hat zusammen mit Warner, MGM, Paramount und Universal bereits erste Erfahrungen mit dem Video-on-Demand-Service "Movielink" in den USA gesammelt. Die Bilanz sechs Monate nach dem Start fällt allerdings bescheiden aus. "Wir sind dabei, Video-on-Demand für den Kunden zu verbessern. Es ist aber noch kein kommerzieller Erfolg", sagt Grindon.

Die Umsätze bleiben nach Meinung von Insidern hinter den Erwartungen zurück. Die Kunden kaufen lieber eine DVD, als sich aufwendig einen Film aus dem Web herunter zu laden. Nach Meinung der Disney-Fernsehchefs Laurie Younger und David Hulbert wird der Markt erst in fünf bis zehn Jahren wirklich relevant sein.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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