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Spielhalle Deutschland

In Berlin wurde jetzt gegen ein Internetcafe ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Grund: Dort soll überwiegend an vernetzten Computern gespielt worden sein, berichtet der Onlinedienst www.heise.de. Also, so die Logik, handelt es sich um eine Spielhalle. Und da greifen entsprechende Gesetze.

Die mit dem Gewerberecht begründeten Vorwürfe zeigen unsere Rückständigkeit im Zeitalter der digitalen Unterhaltung. In Korea etwa, dessen Hauptstadt Seoul als die Breitband- und Spielemetropole der Welt gilt, sieht das anders aus. Onlinespiele sind Volkssport, Turniere werden live im Fernsehen übertragen. Die Jugend verabredet sich in einem der fast 30 000 "PC baangs" so wie Oma und Opa einst im Tanzcafe. Was früher über Tischtelefone angebandelt wurde, macht heute die E-Mail: "Ich bin in ?Love Seat? 22 - kommst Du rüber?" In den "Love-Seats", kleinen, offenen Kabinen mit Sitzbank und PC, werden dann die online geknüpften Bande weiter gesponnen. Man kann eben neue Kulturen sich entwickeln lassen oder versuchen, alles in bekannte Schemata zu pressen. Bei uns passiert meist das letztere.

Aber vielleicht hat es im armen Berlin in Wirklichkeit ganz andere Gründe: Die Finanzämter, heißt es bei Heise.de, denken über eine Nachbesteuerung der "Spielhallen" nach. Aha!

Vielleicht sollte man auch die Millionen von Handys besteuern, auf denen online gespielt wird. Ganz Deutschland eine gigantische, vernetzte, steuerpflichtige Spielhalle.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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