Spielraum für Prestigeprojekte kleiner geworden
Betriebsrat lehnt VW-Einstieg in Formel Eins ab

Der VW-Betriebsrat fordert andere Schwerpunkte für die Investitionen des Konzerns. Der Spielraum für Prestigeprojekte sei kleiner geworden, sagte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert dem Handelsblatt. Deshalb gibt er auch dem oft diskutierten Einstieg des Autoherstellers in die Formel Eins keine Chance: "Herr Pischetsrieder angelt ja angeblich auch gern. Trotzdem käme niemand darauf, dass wir eine Lachsfarm eröffnen sollten", sagte er in Anspielung auf die Vorliebe des künftigen Vorstandsvorsitzenden für die Formel Eins.

WOLFSBURG. Im vergangenen Jahr hat die Volkswagen AG 63,5 Mrd. DM Investitionen bis 2005 vorgesehen. Trotz der aktuell schwierigen Marktlage wird sich an dieser Größenordnung nach Volkerts Einschätzung nichts ändern. Der Aufsichtsrat wird Ende November die Investitionen bis 2006 beraten.

Der Betriebsrat redet dabei ein gewichtiges Wort mit und sieht vor allem die Investitionen in Luxusautos mit gemischten Gefühlen. "Der Strategie haben wir zugestimmt, dazu stehen wir", sagte Volkert, aber einzelne Modelle wie den geplanten "kleinen" Bentley könne man problemlos verschieben. Auch die vom heutigen Vorstandschef Ferdinand Piëch betriebene Expansion im Nutzfahrzeuggeschäft steht für ihn nicht obenan. Eine Mehrheitsübernahme bei Scania, wo VW größter Aktionär ist, kann er sich vorerst nicht vorstellen.

Geld, das so frei wird, müsse zum Beispiel in ein Einsteigerauto in der Preisklasse unter 15 000 DM investiert werden. Das Projekt ist weit gediehen, liegt aber nach Piëchs Worten auf Eis. Volkert setzt auf den Nachfolger: "Die Diskussion wird nach Herrn Dr. Piëch weitergehen."

Auch bei der Komponentenfertigung, einem anderen ungeliebten Kind Piëchs, erwartet Volkert neue Impulse durch den bevorstehenden Führungswechsel. Seit einem Jahr wird an einer Strategie dazu gearbeitet, "aber bisher ist nicht furchtbar viel passiert, jetzt wird es intensiv betrieben". Pischetsrieder hatte bereits den Kauf von Zulieferfirmen ins Gespräch gebracht, und Volkert hätte nichts dagegen: "Wir haben Automarken gekauft, warum nicht auch Elektronik-Know-how?"

Mit einer anderen Forderung dürfte sich der neue Konzernchef schwerer tun. Der Betriebsrat verlangt seit Jahren ein "Sozialbudget" in der Größenordnung von 50 Mill. DM pro Jahr. Damit soll vor allem der Vorruhestand forciert werden, der nach der Kürzung der staatlichen Förderung weniger attraktiv ist. Angesichts der jungen Belegschaften in den VW-Auslandswerken fürchtet Volkert um die Chancen der deutschen Standorte. "Das Sozialbudget ist auch ein Investment, das muss in dieser Planungsrunde auftauchen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%