Spielraum nach oben für Wachstumstitel
Analysten erwarten Kurserholung bei zyklischen Werten

Seit Anfang des Jahres bewegen sich die Aktien von Technologie- und Telekommunikationskonzernen steil bergab. Die Anlagestrategen der Banken erwarten jetzt Kursgewinne bei Werten, die auf einen konjunkturellen Aufschwung besonders stark reagieren.

FRANKFURT/M. So büßten etwa die Kurse von Siemens und Infineon fast 50 Prozent ein. Neben den Techs und Telekoms sind das auch Werte aus der Automobil-, Chemie- oder Maschinenbausparte. Schlechter sind die Aussichten für die bisherigen Gewinner des Börsenjahres 2002: Aktien aus stabilen, kaum konjunkturabhängigen Bereichen wie Lebensmittel oder Energieversorgung.

"Zur Zeit können wir keine defensiven Werte empfehlen", sagt Christian Stocker, Marktstratege bei HVB Equity Research. Konjunkturunabhängige Titel wie Energie-Aktien oder Werte aus der Lebensmittelbranche hätten sich in den vergangenen Jahren relativ gut entwickelt.

Doch auch diese Werte seien seit einigen Monaten unter Verkaufsdruck geraten. "Wir schließen daraus, dass sich die Kapitalmärkte in einer Kapitulationsphase befinden. Das bedeutet, der Abwärtstrend ist bald vorbei", meint Aktienstratege Stocker. "Die starken Zuwächse der Aktien aus dem defensiven Bereich haben dazu geführt, dass diese Werte jetzt teilweise sehr überteuert sind.

Aus diesem Grund werden solche Titel jetzt auch weiter fallen", erwartet Volker Borghoff, Portfoliostratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Weniger konjunktursensible Titel konnten vor allem davon profitieren, dass Anleger in den vergangenen zwei Jahren risikoreichere Werte aus ihren Depots gegen konjunkturunabhängige Titel getauscht hatten.

Es ist Zeit, das Portfolio umzuschichten: Raus aus den defensiven Werten, rein in die Zykliker. Stocker empfiehlt Branchen wie Automobil, Öl und Gas aber auch Technologie. "Tech-Werte sind zur Zeit recht günstig, weil sie überverkauft sind. Besonders interessant finde ich die Titel von Siemens, Nokia und SAP", fügt Aktienexperte Stocker hinzu.

Wertpapiere aus dem Umfeld von Telekomausrüstern hält Stocker allerdings nicht für empfehlenswert. Titel von Alcatel oder Ericsson hätten ihre Talfahrt noch nicht beendet. Auch Thomas Koch, Portfoliomanager bei der Berenberg Bank, empfiehl bei Technologie-Werten genau hinzuschauen: "Breit aufgestellte Unternehmen wie Siemens oder Philipps sind zur Zeit sicher zu empfehlen. Anbieter, die sich sehr stark auf ein Marktsegment konzentrieren, sollte man dagegen mit Vorsicht genießen."

Analysten rechnen mit einer Erholung der konjunkturellen Lage im zweiten Halbjahr. "Hinzu kommt eine Verbesserung der Ertragslage bei den Unternehmen", sagt Stocker von der Hypo-Vereinsbank. "Das zweite Quartal war noch schwierig, für das dritte Jahresviertel erwarten wir aber aus dem Bereich der konjunkturabhängigen Unternehmen überraschend gute Zahlen", fügt er hinzu.

Auch Volker Borghoff von HSBC rechnet ab Juli mit einer Erholung für Zykliker. "Vor allem in den Sparten Chemie und Maschinenbau sind relativ gute Ergebnisse zu erwarten", sagt Borghoff. Ein positiver Trend lasse sich bereits heute feststellen, da die Auftragslage gut und besonders in der Chemiebranche eine Erholung der Preise zu bemerken sei.

Die Pharmasparte habe derzeit noch mit branchenspezifischen Problemen zu kämpfen und sei daher nicht so attraktiv wie der Chemiebereich. "In den USA werden weniger Produkte zugelassen. Ein Umsatzwachstum von acht bis neun Prozent wie in der neunziger Jahren ist so bald nicht zu erwarten", sagt Marktexperte Borghoff.

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