Spielregeln für Vorausbuchungen wie im Luftverkehr – Bahncard-Nachlass wird halbiert, gilt aber auch für Sonderangebote
Bahn lockt Kunden mit neuem Rabattsystem

Die Bahn will morgen ihr seit langem angekündigtes neues Preissystem vorstellen. Es soll den Tarifdschungel vereinfachen und über Frühbucher-Rabatte wie beim Fliegen Anreize zum Bahnfahren schaffen. Mit der Bahncard gibt es nur noch 25 Prozent Nachlass, diesen aber auch auf schon ermäßigte Preise.

DÜSSELDORF. Bei der Bahn hat im nächsten Jahr die klassische Fahrpreis-Berechnungformel "Kilometer mal Pfennigbetrag" ausgedient. Nach umfangreichen Software-Anpassungen soll nächstes Jahr im Herbst ein neues Preissystem mit festgelegten "Relationspreisen" von Ort zu Ort eingeführt werden. Es soll degressiv gestaltet sein und Langstrecken-Reisende begünstigen.

Wesentliche Neuerung: Wer sich frühzeitig zum Ticketkauf entschließt und sich auf einen bestimmten Zug festlegt, wird mit Rabatten bis zu 40 % belohnt. Bahncard-Inhaber können den ermäßigten Ticketpreis zusätzlich noch um ihren speziellen Nachlass drücken - allerdings nur noch um 25 %. Bisher werden 50 % gewährt, jedoch nur auf den vollen Ticketpreis.

An der neuen Bahncard hat sich bereits Kritik bei den Fahrgastverbänden und bei den Grünen entzündet. Der Verband "Pro Bahn" will am Donnerstag unmittelbar nach der Bahn-Präsentation des neuen "Preis- und Erlössystems Personenverkehr" (PEP) Nachbesserungswünsche anmelden. "Bahnfahren wird insgesamt nicht teurer, sondern für Millionen Menschen so günstig wie nie", wehrte sich Christoph Franz, Vorstandschef des Unternehmensbereiches Personenverkehr der Deutschen Bahn AG am Dienstag in einer Presseerklärung. Bereits vor Wochen hatte der Marketing-Chef der DB Reise & Touristik AG, Hans Koch, erklärt: "Eine versteckte Preiserhöhung wird es mit PEP nicht geben."

Wie das Handelsblatt aus Bahn-Kreisen erfuhr, sieht das am Mittwoch dem Aufsichtsrat vorgelegte System drei Rabattstufen vor: Bei sieben Tagen Vorausbuchung gibt es 40 %, bei drei Tagen 25 % Nachlass. Wer am Tag vor der Reise sein Ticket ersteht, erhält noch 10 % Rabatt. Nach Bahn-Einschätzung könne die breite Masse der Kunden - auch Geschäftsreisende - dieses Rabattsystem ausnutzen.

Allerdings gelten die ermäßigten Tickets nur in bestimmten, vorher ausgewählten Zugverbindungen, und sie sind kontingentiert. Genau wie in der Fliegerei gibt es Restriktionen, teilweise sogar eine Wochenend-Bindung (Rückreise nicht vor Sonntag) und Gebühren für eine Umbuchung bzw. Rückerstattung nicht genutzter Tickets.

Die bisherigen Sonderangebote verschwinden - bis auf den "Mitfahrerpreis" für bis zu vier gemeinsam reisende Personen: Da zahlen die zweite bis vierte Person weiterhin nur die Hälfte des regulären Preises. Bahncard-Inhaber können diesen Preis - anders als heute - um weitere 25 % reduzieren.

Die Bahncards kosten künftig deutlich weniger: 60 Euro statt 270 DM für die 2. Klasse, 150 Euro statt 540 DM für die 1. Klasse. Ihren "Statuskunden" will die Bahn neben der Möglichkeit, in ausgewählten Zügen (derzeit ICE-Sprinter und "Metropolitan") Meilen für das Lufthansa-Kundenbindungsprogramm "Miles & More" zu sammeln, in den nächsten Monaten weitere "exklusive Service-Leistungen" anbieten. Derzeit gibt es 2,7 Millionen Inhaber der Bahncard 2. Klasse und rund 300 000 der 1. Klasse. Typische Angebote für Geschäftsreisende wie Großkunden-Abonnement und Jahresnetzkarte bleiben unverändert, ebenso die Streckenzeitkarten für Pendler.

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