Spielwarenbranche fehlen die Zugpferde
Vedes hat neue Mitglieder im Visier

Europas größter Spielzeughändler gliedert unabhängige Töchter wie den Spielzeugring in die Vedes-Organisation ein. Durch die Bündelung will Vedes für seine Mitglieder günstigere Einkaufskonditionen erzielen.

NÜRNBERG. Leere Kassen in den Spielwarengeschäften: Die Deutschen gaben in diesem Jahr nach einer Schätzung des Verbands der Spielwarenindustrie bislang rund 7 % weniger für Barbie, Playmobil & Co aus als 2001. "Es gibt keine Aussicht auf eine Belebung in den kommenden Monaten", fürchtet Vedes-Vorstand Ursula Lindl. Der Grund: Dem Spielwarenhandel fehlen die großen Renner. Harry Potter und der Herr der Ringe konnten die Knüller der vergangenen Jahre wie Pokémon und Teletubbies nicht ersetzen.

Wegen des Käuferstreiks setzt die Nürnberger Vedes AG auf interne Verbesserungen. Dabei wird der Konzernumbau mit hohem Tempo fortgesetzt. Die derzeit wichtigste Baustelle: Vedes gliedert das Geschäft der Tochter Spielzeugring voll in die Vedes AG ein. Bislang ist Spielzeugring mit seinen rund 650 Mitgliedern selbstständig am Markt aufgetreten. Doch damit ist nun Schluss. Die Vedes AG übernimmt alle Aufgaben des Spielzeugrings.

Das oberste Ziel: Indem er die Kräfte bündelt, will Vedes-Finanzchef Thomas Märtz die Einkaufsmacht erhöhen. Künftig werde für alle Konzernteile zentral eingekauft, betont Märtz. Damit sollen bei der Industrie Konditionen herausgeholt werden, wie sie bislang nur große Handels-Konzerne wie Karstadt, Kaufhof oder Toys-R-Us bekommen. Als Marke soll Spielzeugring allerdings erhalten bleiben. Neben dem Spielzeugring - in dem seit 30 Jahren vor allem kleinere Händler organisiert sind - wollen die Franken auch die Auslandstöchter enger anbinden und in den Einkaufsverbund einbringen.

Vedes war 1998 unter anderem wegen fehlgeschlagener Planungen für ein neues Lager sowie einer großen Zahl defizitärer Beteiligungen in schwere Schieflage geraten und in die roten Zahlen gerutscht. Inzwischen haben Lindl und Märtz das Unternehmen saniert. Verlustbringer wurden verkauft, der Konzern umorganisiert und Personal abgebaut. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Vedes mit seinen 2 000 angeschlossenen Läden erstmals wieder einen mageren Gewinn.

Märtz will die wiedergewonnene Stärke nutzen, um neue Mitglieder anzulocken oder sogar ganze Verbundgruppen für Vedes zu gewinnen. Wegen der extrem kleinen Margen haben in den vergangenen Jahren viele Spielwarenhändler aufgegeben. Zudem hat Vedes selbst einige große Mitglieder verloren. Märtz erwartet, auch im Ausland Fachhändler für sein Unternehmen begeistern zu können.

Vedes steht in der Branche mit seinen Schwierigkeiten nicht alleine da: Die gesamte Spielwarenindustrie - Hersteller und Händler - steht unter Druck. Zuletzt hatten sogar einige große Produzenten Probleme und schrieben wie der Bauklötzchenkonzern Lego oder der Spieleverlag Ravensburger zeitweise rote Zahlen. Darüber hinaus zeigte sich, dass Spielekonsolen und Computer-Games für die Spielwarengeschäfte nicht zum erhoffen Umsatzbringer wurden.

Marketing-Expertin Lindl geht davon aus, dass die Gewinne der Vedes-Händler durch ein bereits vergangenes Jahr angekündigtes neues Ladenkonzept bald wieder steigen. Vedes will sich stärker als Dienstleister für die Händler etablieren, der mehr bietet als Einkauf und Zahlungsabwicklung. Die Nürnberger möchten ihre Mitglieder vor allem bei der Sortimentsauswahl stärker unterstützen. Die Zahl der angebotenen Spielwaren soll fallen und dafür öfter wechseln. Dabei will die Vedes-Zentrale unter anderem Berater durch die Lande schicken, um die Mitglieder auf Profit zu trimmen.

An der derzeitigen Kauf-Unlust wird das wenig ändern. Für 2002, so meint Lindl, bleibt nur die Hoffnung, dass das traditionell wichtige Weihnachtsgeschäft für ordentliche Umsätze sorgt.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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