Spionageverdacht
Russland weist ebenfalls Diplomaten aus

Als Reaktion zur Ausweisung von 50 russischen Diplomaten aus den USA, werden 4 Mitarbeiter der US-Botschaft in Russland das Land verlassen müssen. Ihre Tätigkeit sei "unvereinbar mit ihrem diplomatischen Status", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Moskau. Diese Formulierung gilt als Umschreibung für Spionage.

ap MOSKAU/WASHINGTON. Mit der Ausweisung von vier Mitarbeitern der US-Botschaft hat Russland am Freitag auf einen entsprechenden Schritt Washingtons vom Mittwoch reagiert. Ihre Tätigkeit sei "unvereinbar mit ihrem diplomatischen Status", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Moskau. Diese Formulierung gilt als Umschreibung für Spionage. Der stellvertretende Geschäftsträger John Ordway wurde im Zusammenhang mit der angekündigten Ausweisung von 50 russischen Diplomaten aus den USA ins Außenministerium in Moskau einbestellt.

Ordway sei ein entschlossener Protest gegen die "gesetzeswidrigen Aktivitäten" einer Reihe von US-Vertretern in Russland vorgetragen worden. Das russische Außenministerium kündigte weitere Maßnahmen an, um diese Aktivitäten amerikanischer Diplomaten zu unterbinden. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt. Die vier US-Diplomaten müssen Russland in den kommenden Tagen verlassen. Am Mittwoch hatten die USA vier Russen zu `unerwünschten Personen" erklärt und zum sofortigen Verlassen des Landes aufgefordert, weitere 46 russische Diplomaten müssen bis zum Juli nach Hause zurückkehren.

Vertreter der russischen Regierung bezeichneten den Schritt der USA als politisch motiviert und als Rückfall in den Kalten Krieg. Der Chef des russischen Sicherheitsrats, Sergej Iwanow, sagte am Donnerstagabend im polnischen Fernsehen, es werde einfach sein, US-Diplomaten zu finden, deren Ausweisung für die USA schmerzlicher seien als es für Russland im umgekehrten Fall gewesen sei. `Wir können unter den mehr als 1 000 US-Diplomaten sorgfältig die auswählen, die den Amerikanern am wertvollsten sind", sagte Iwanow. Auch Außenminister Igor Iwanow erklärte, Russland werde seine Interessen konsequent verteidigen und angemessen auf den "unfreundlichen Akt" der USA reagieren.

Die US-Regierung entgegnete, es gebe kein vergleichbares Kontingent von Undercover-Agenten in Russland, auch hätten dort keine Amerikaner die russische Spionageabwehr unterwandert. US-Präsident George W. Bush erklärte, er habe sich an die Fakten gehalten. Beide Staaten könnten dennoch gute Beziehungen zueinander unterhalten.

Hintergrund der Ausweisung der russischen Diplomaten ist die Festnahme des FBI-Beamten Robert Hanssen wegen Spionage für Russland Mitte Februar, wie aus US-Regierungskreisen verlautete. Hanssen soll mehr als 15 Jahre lang für die Sowjetunion und Russland spioniert haben. Der 56-jährige soll sowjetischen und später russischen Agenten mehr als 6.000 Seiten mit hochbrisantem Inhalt zugespielt haben, unter anderem über den Bau eines Tunnels unter die russische Botschaft. Außerdem wird Hanssen vorgeworfen, die Namen von drei KGB-Mitarbeitern preisgegeben zu haben, die für die USA spioniert hatten. Zwei von ihnen wurden hingerichtet.

Ausgewiesene bulgarische Diplomaten ausgereist

Erst am Sonntag hatte Bulgarien drei russische Diplomaten wegen des Verdachts der Spionage ausgewiesen. Moskau forderte daraufhin am Montag drei bulgarische Gesandte auf, Russland zu verlassen. Die drei Diplomaten hätten das Land an Bord einer Aeroflot-Maschine nach Sofia verlassen, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax am Freitag. Die drei russischen Diplomaten sollten mit demselben Flugzeug nach Moskau zurückkehren.

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