Spitzendiplomaten
Wenn Diplomaten Außenpolitik für Unternehmen machen

Der 61-jährige Spitzendiplomat Wolfgang Ischinger ist ein exzellenter Kenner der internationalen Sicherheitspolitik. Der Leiter der renommierten Münchner Sicherheitskonferenz wechselt nach seinem Londoner Botschafter-Posten, den er bis Ende April inne haben wird, in die Wirtschaft - und folgt damit einem Trend.

LONDON/BERLIN. Ob seine Versuche, eine Verhandlungslösung für das Kosovo zu finden, gescheitert seien, wurde der Sonderbeauftragte der EU in der BBC-Sendung "Hard Talk" gefragt. Da zeigte Wolfgang Ischinger hinter der randlosen Brille die feinste Andeutung eines Lächelns. Dann sagte er - so bedächtig, dass jeder merken musste, dass sich dieser Mann nicht aus der Ruhe bringen lässt: "Die Serben und die Kosovaren haben es nicht geschafft, sich zu einigen. Ein Erfolg wäre ihr Erfolg gewesen."

Ischinger, bis Ende April noch Deutschlands Botschafter in London und ab Mai "Generalbevollmächtigter" des Allianz-Konzerns, spricht Englisch mit amerikanischem Akzent - wie es sich gehört, wenn man schon als Austauschschüler in den USA war und die transatlantischen Beziehungen von Berufs wegen liebt.

Der 61-jährige Spitzendiplomat, der sich "noch nicht wie ein Ruheständler fühlt", ist nicht nur "ein exzellenter Kenner der internationalen Sicherheitspolitik", wie Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) kürzlich lobte, als Ischinger überraschend als Nachfolger von Horst Teltschik zum neuen Leiter der rennomierten Münchner Sicherheitskonferenz benannt wurde. Ischinger gilt als effektivster Networker im diplomatischen Corps. Denn seine Devise lautet: "Man ist am besten, wenn man nicht hinterm Schreibtisch sitzt."

Dass die Allianz nun diese Stärken nutzt und Ischinger zum "Generalbevollmächtigten" beruft, nennt er "eine glückliche Fügung". Als Organisator der Münchener Sicherheitskonferenz, "eines großartigen Aushängeschilds für Deutschland", wollte er unabhängig bleiben und sich vom diplomatischen Dienst beurlauben lassen. "Aber eine Familie kann man davon ja nicht ernähren."

Bei der Allianz wird Ischinger einen Bereich "Regierungsbeziehungen" aufbauen und vergrößern, die weltweite Lobbyarbeit des Konzerns koordinieren und direkt an Vorstandschef Michael Diekmann berichten. Die Bezeichnung "Außenminister der Allianz" findet er trotzdem zu hoch gegriffen.

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