Spitzenplatz doch nicht in Gefahr
Bonität des Bundes erhitzt die Gemüter

Die Diskussion um die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik hält die Analysten und Politiker weiter in Atem. Am Freitag ruderten die Ratingagenturen zwar zurück und bestätigten die höchste Bonitätsnote Deutschlands. Rentenanalysten fürchten aber, dass die Ausblicke für die Ratings gesenkt werden könnten.

cü/egl FRANKFURT/BERLIN. Bei den Ratingagenturen Standard & Poor?s, (S&P) Moody?s und Fitch standen am Freitag die Telefone nicht mehr still. "Stimmt es, dass Sie das Rating der Bundesrepublik gesenkt haben?", hieß eine der abstrusesten Fragen, mit denen die Agenturen konfrontiert wurden. Davon kann keine Rede sein, alle Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik mit der Höchstnote Dreifach-A und stufen die Ratingaussichten als stabil ein. Dennoch wird die Bonität des Bundes die Ratingagenturen und den Finanzplatz Deutschland weiter beschäftigen.

Auslöser der Debatte waren kritische Äußerungen von S&P zur deutschen Finanzpolitik und Zeitungsberichte, denen zu Folge die Ratingagenturen die Top-Bonität des Bundes gefährdet sehen. Am Freitag bemühten sich die Agenturen um Schadensbegrenzung. "Wenn wir etwas an dem Rating der Bundesrepublik ändern - und ich betone, davor steht ein großes Wenn - werden wir nur den Ratingausblick senken", betonte Nick Eisinger von Fitch. S&P bekräftigte, dass weder Rating noch Ratingausblick des Bundes auf dem Prüfstand stehen. Alexander Kockerbeck von Moody?s hält die ganze Diskussion um eine mögliche Herabstufung Deutschlands für unberechtigt. "Es ist ein großer Unterschied, ob man die Finanzpolitik diskutiert oder ein Rating in Frage stellt."

Bundesfinanzminister Hans Eichel erklärte, er kenne keine Ankündigung der Agenturen, Deutschland schlechter einzustufen und bezeichnete die Diskussion als "aufgebauscht". Wirtschaftsminister Wolfgang Clement betonte, er sei sehr zuversichtlich, dass die Analysten die Lage bald anders einschätzten. Allerdings glaube er nicht, dass die Analysten die Richtigen seien, die Lage Deutschlands einzuschätzen. Kritisch zu den Ratingagenturen äußerte sich auch Manfred Weber. Die Agenturen müssten angesichts ihres großen Einflusses ihrer besonderen Verantwortung gerecht werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken. Aus der Bundesbank verlautete, dass Bundesbankpräsident Ernst Welteke heute in einer Pressekonferenz auf die ungebrochen starke Kreditwürdigkeit Deutschlands eingehen wird.

In Bankenkreisen wird indes auf den Ernst der Lage des Finanzplatzes Deutschland hingewiesen. Zeichen dafür sei auch, dass Moody's und S&P jüngst die Ratings einiger deutscher Banken gesenkt haben. Experten befürchten zudem, dass die Ratingagenturen den Ausblick der Bonitätsbewertung des Bundes senken könnten. Die einzelnen Kennzahlen wie Schulden- oder Defizitquoten seien noch nicht beängstigend, meinte Thomas Mayer, Chefvolkswirt für Europa bei der Deutschen Bank. Angesichts eines fehlenden überzeugenden Konzepts zur finanzpolitischen Konsolidierung und der föderalistisch bedingten Entscheidungsblockade seien Bedenken der Ratingagenturen jedoch verständlich.

Christoph Rieger, Rentenanalyst bei Commerzbank Securities, sagte, dass Deutschland einen negativen Ratingausblick bekommen könnte, wenn die angekündigten Reformen nicht durchgesetzt werden. Ähnlich äußerte sich Gregor Beckmann von HSBC.

Eine Herabstufung des Ratings der Bundesrepublik erwarten Experten aber nicht. "Wenn Deutschland heruntergestuft wird, müssten die USA gleich mit heruntergestuft werden", sagte Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. So sei in den USA zum Beispiel die Neuverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt höher als in Deutschland.

Die Anleihen des Bundes hat die Diskussion nicht belastet. Die zehnjährige Bundesanleihe notiert mit 4,33 % weiter nahe an ihrem Jahrestief. Seit Oktober sind allerdings die Renditeaufschläge anderer europäischer Staatsanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen gesunken. Daraus ist Experten zu Folge aber noch nicht abzulesen, dass die zehnjährige Bundesanleihe den Status als richtungweisende Benchmark für Europa verliert.

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