Spitzenverdiener der Branche
Dieselboom lässt Geschäft bei Beru brummen

Der Zulieferer Beru peilt trotz der Krise auf dem Automarkt in diesem und im kommenden Jahr ein Umsatzplus an. Den Konzern stimmt nicht nur der ungebrochene Dieselboom optimistisch, sonder auch seine Positionierung als spezialisierter Zulieferer in der Nische.

STUTTGART. Wenn Beru-Chef Ulrich Ruetz das sonore Brummen eine modernen Dieselmotors hört, klingt das in seinen Ohren wie Musik. Schließlich beschert der Dieselboom in Deutschland und Europa dem Ludwigsburger Automobilzulieferer goldene Zeiten. Beru gehört mit Vorsteuerrenditen zwischen 15 und 20 % zu den Spitzenverdienern der Branche. Das Geschäft brummt - obwohl die Automobilproduktion ins Stocken geraten ist.

Beru plant für das laufende Geschäftsjahr (zum 31. März) eine Umsatzsteigerung von 5 % auf etwa 290 Mill. Euro. Rund die Hälfte davon stammt aus der Dieselsparte. Auch für das Geschäftsjahr 2002/03 rechnet Ruetz mit Wachstum - und das nicht nur wegen des Dieselbooms. Zwar leidet Beru im allgemeinen Geschäft mit Zündungstechnik unter der geringeren Nachfrage der Autohersteller. Doch Berus Stütze für schlechtere Zeiten, in denen alte Autos länger gefahren werden, ist das gewinnträchtige Ersatzteilgeschäft.

Zudem bringen Hochtechnologie-Produkte den schwäbischen Konzern voran: Reifendrucksensoren für Autos der Oberklasse, das elektronische Heizsystem PTC für Dieselfahrzeuge und nicht zuletzt das elektronische Zündsystem ISS. Mit ihm zündet der Diesel motor wie der Benziner beim Umdrehen des Schlüssels.

Im Siegeszug des Dieselmotors fährt Beru seit Jahren vorne mit. Entscheidend für den Erfolg des 1912 gegründeten Familienunternehmens war Ende der 70er Jahre eine eigene Erfindung: die Zwei-Wendel-Glühkerze für den reibungslosen Diesel-Start. Damit stiegen die Schwaben zum Weltmarktführer für Dieselkaltstartanlagen auf.

In Europa, dem Hauptmarkt für Pkw-Diesel, ist Nischenanbieter Beru mit einem Marktanteil von mehr als 40 % unangefochtener Spitzenreiter weit vor dem Zulieferriesen Bosch. An der Pole-Position bei Kaltstartanlagen hat auch das Auslaufen des Patents nichts geändert. "Wir sind unseren Konkurrenten stets eine Nasenlänge voraus", erklärt Ruetz stolz. Beru steckt pro Jahr im Schnitt 8 % des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Die Pluspunkte von Beru seien die hohe Innovationskraft und große Fertigungskompetenz, erklärt Ruetz. "Wir profitieren auch von unseren flachen Strukturen", ergänzt er. Dies mache sich in besseren Gewinnspannen bezahlt.

Beru ist allerdings kein Einzelphänomen. Der Gelsenkirchener Automobilprofessor Ferdinand Dudenhöffer hat festgestellt, dass kleinere, spezialisierte Zulieferer meist deutlicher besser als die großen, so genannten Systemlieferanten verdienen, die beispielsweise komplette Fahrwerke an die Hersteller liefern. Dudenhöffer prognostiziert, dass die mittelständischen Zulieferer in den nächsten Jahren kräftig wachsen werden. Gleichzeitig gehe der Konzentrationsprozess weiter. Innovative Spezialisten hätten aber gute Chancen, unabhängig zu bleiben.

Beru-Chef Ruetz will bis bis zum Jahr 2006 die Umsatz-Grenze von 500 Mill. Euro nehmen. Dazu sollen nicht nur Zukäufe beitragen, denn der Konzern erwartet einen ungebrochenen Dieselboom. Beru prognostiziert, dass der Dieselanteil in Europa von derzeit rund 37 % bei neuzugelassenen Personenwagen bis 2006 auf fast 50 % steigen wird.

Zudem deuten sich neue Wachstumschancen an: Ruetz glaubt, dass auch die amerikanischen Fahrer von Pkw oder Minivan bald Geschmack an Dieseln finden. Eine Voraussetzung schafft der US-Gesetzgeber ab 2005: Dann muss der Schwefelgehalt im Diesel um 97 % sinken. Zunächst einmal will Beru mit seinen Reifendrucksensoren den US- Markt erobern. Die US-Verkehrsbehörde schreibt ab November 2003 solche Kontrollsysteme vor.

Ein Wermutstropfen ist für Ruetz der Einstieg des US-Finanzinvestors Carlyle bei der börsennotierten Beru AG. Im Jahr 2000 übernahmen die Amerikaner von einem Teil der Familiengesellschafter ein Viertel der Anteile. Wegen des Widerstands des Vorstands verzichtete Carlyle zwar auf ein Übernahmeangebot an alle Aktionäre. Inzwischen hält der Finanzinvestor aber mit schätzungsweise 35 % mehr Anteile als die verbliebenen Familienaktionäre mit 26 %. Vom ungeliebten Partner bekommt Ruetz ein großes Lob: "Berus Erfolg wurzelt im guten Management", bringt es Carlyle-Geschäftsführer Hans Albrecht auf einen kurzen Nenner.

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