Spitzenwerte sollen durch neues Börsensegment aufgewertet werden – Dow-Jones-Index wird künftig zeitweise auf Basis von Xetra-Preisen berechnet
Deutsche Börse will Handel in internationalen Topwerten ausbauen

Die Börse will den Handel mit Auslandsaktien ausbauen. Den Anfang machen ab September 210 amerikanische Titel, die zu den gleichen Konditionen wie inländische Papiere gehandelt werden können.

FRANKFURT/M. Die Deutsche Börse und ihre Tochtergesellschaft Eurex wollen ab September dieses Jahres den Handel mit amerikanischen Aktien, Indexfonds und Aktienoptionen anbieten. Eckpfeiler des Modells ist der Handel von 210 Aktien in einem neuen Segment "Xetra US Stars". Aufgenommen werden die Titel aus den Börsenbarometern Dow Jones 30, S&P 100, Nasdaq 100 und die US-Aktien des Global Titans 50. Damit reagiert die Börse auf das wachsende Interesse deutscher Anleger an US-Werten. Schon jetzt übertreffe der Umsatz mit amerikanischen Aktien das Geschäft mit den Werten des M-Dax, erklärte Volker Potthoff, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse.

Das Marktmodell in dem neuen Segment unterscheidet sich vom Dax-Handel durch die Einführung von so genannten "US Market Experts", die eine ähnliche Funktion wie die Designated Sponsors am Neuen Markt haben. Sie stellen kontinuierlich verbindliche Kurse im Wert von mindestens 50 000 und sorgen damit für ein Mindestmaß an Liquidität. Diese Marktmacher-Funktion übernehmen zunächst die beiden US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie die Baader Wertpapierhandelsbank, Finacor Rabe und Wertpapierhandelsbank Seydler. Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis darf je nach Aktie maximal 3 bis 4 % betragen.

Nach Angaben Potthoffs können Investoren in dem neuen Xetra-Segment US-Aktien genauso schnell und zu den gleichen Kosten handeln wie inländische Werte. Bisher werden US-Aktien in Deutschland überwiegend im Freiverkehr bzw. auf dem Parkett ge- und verkauft. Die Kosten für die Wertpapierabwicklung, die die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream übernimmt, sollen in dem neuen Segment bei 0,40 pro Auftrag liegen. Bisher war es deutlich teurer. Ob die Banken die Preisvorteile an ihre Kunden weitergeben, ist freilich Sache der Kreditwirtschaft.

Den "besonderen Charme" des Vorhabens sieht Potthoff in der Integration verschiedener Finanzprodukte auf den Handelsplattformen der Börse. Er geht davon aus, dass Banken bald Indexfonds auf den Dow- Jones-Index und den Global- Titans-Index auflegen, die dann in dem speziellen Börsensegment für Fonds (XTF) gehandelt werden. Außerdem sollen an der Terminbörse Eurex, an der die Deutsche Börse zur Hälfte beteiligt ist, Optionen auf zunächst zehn amerikanische Blue Chips eingeführt werden, darunter Cisco, IBM, Intel und Microsoft. Mindestens drei Market Maker sollen hier für die Basisliquidität sorgen. Nach Ansicht der Börse steht die Einführung der Derivate auf amerikanische Titel nicht im Widerspruch zur Kooperation der Eurex mit der amerikanischen Terminbörse CBoT. Die Zusammenarbeit, die nach Einschätzung von Finanzkreisen zurzeit nicht besonders gut läuft, sei nicht betroffen, weil die Aktien, die den Eurex-Derivaten unterliegen, nicht in Dollar sondern in Euro denominiert seien.

Mit im Boot ist außerdem der Indexanbieter Dow Jones. Die Amerikaner wollen künftig die Preise auf Xetra zur Berechnung ihrer Börsenbarometer Dow Jones und Global Titans heranziehen. Konkret heißt dies, dass der Dow Jones 30 Index zwischen 9 und 15 Uhr 30 deutscher Zeit - also vor Eröffnung der US-Börsen - "indikativ" auf Basis der Kurse im Xetra US Stars ermittelt wird.

Das US-Segment ist für die Börse der erste Schritt des so genannten Global Markets Concept. Noch in diesem Jahr sollen große europäische Aktien einbezogen werden, asiatische Titel sollen im nächsten Jahr folgen. Finanzkreise in Frankfurt zeigten sich hinsichtlich der Erfolgsaussichten recht zuversichtlich. Peter Ensel, Leiter des Aktienhandels bei der Commerzbank, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, anfängliche Liqudidiätsprobleme seien zwar nicht auszuschließen. Mit der Zeit würde sich dies aber entwickeln.

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