Sponsoren als Buhmänner
Olympia-Fans ärgern sich über Kartenschwund

Die chinesischen Behörden bekommen den Schwarzmarkthandel mit Olympiatickets nicht in den Griff. Am Sonntag hat die Polizei zwar 110 Weiterverkäufer festgenommen, darunter 17 Europäer, Afrikaner und Amerikaner. Der Schwarzmarkt blüht jedoch trotzdem. An einschlägigen Ecken Pekings wechseln jede Minute Eintrittskarten den Besitzer.

PEKING. Am Sonntagnachmittag waren nur die nichtchinesischen Schwarzmarktverkäufer verschwunden. Die Mehrheit der Schwarzhändler sind jedoch Chinesen, die preiswerte Inlandstickets weiterverkauften. Je nach Beliebtheit des Wettkampfs verlangten sie zwischen dem vier- und zwanzigfachen des aufgedruckten Preises. Dabei ist Schwarzmarkthandel mit Olympiakarten in China illegal und kann mit Gefängnis bestraft werden.

Der Straßenhandel ist derzeit die einzige Chance, noch an Karten zu kommen. Es gebe in Peking keine offizielle und legale Möglichkeit mehr, Tickets zu kaufen, sagt Tom Rostek von der Eventabteilung des Reiseveranstalters Dertour, über den der Verkauf nach Deutschland lief. Die Eintrittskarten waren in der Vorphase extrem knapp. Für Deutschland waren nur 30 000 Karten reserviert - nötig wären mindestens zwei Drittel mehr gewesen.

Dertour entgeht so ein Geschäft: "Die Karten sind restlos an die Kunden weggegangen. Wir hätten gerne 10 000 bis 15 000 Tickets mehr gehabt, konnten aber keine bekommen." Vor Ort hätten sich noch einmal bis zu 10 000 weitere Karten absetzen lassen, schätzt Rostek.

Kein Wunder also, dass der illegale Verkauf blüht. Die Razzia gegen Schwarzhändler wurde wegen Hinweisen aus der Bevölkerung gestartet, sagte Shi Weiping von der Pekinger Polizei. Er nennt einzelne Fälle wie den einer Frau mit Namen Zhang, die zwei Eintrittskarten zum siebenfachen Preis angeboten hätte. Ein Testkauf zeigt jedoch, dass der Schwarzmarkt in viel größerem Stil stattfindet. An der Südwestecke des Zaunes um das Olympiagelände lassen Anbieter die Passanten weiter ganz offen ihre Stapel von Tickets sehen. Dazwischen befinden sich immer wieder auch normale Kartenkunden, die ein bis zwei überzählige Tickets verkaufen wollen. Sie dienen als Feigenblatt für die richtigen Händler, die teils professionell mit Ledermappen für die Tickets herumlaufen.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ruft ein Anbieter seine Ware sogar aus: "Need Tickets?" Auch um die Ecke der U-Bahnstation Beitucheng lassen die Händler potenzielle Kunden ganze Stapel von Eintrittskarten durchblättern. Für unverkaufte Eintrittskarten des gleichen Nachmittags sinken die Preise, was auf ein Überangebot hindeutet. "Schwimmen und Basketball bleiben aber teuer. Da muss man teilweise das Zwanzigfache hinblättern", sagt Dexter, ein Mann in den Zwanzigern aus den USA. Der erfahrene Schwarzmarktkäufer ist ohne Eintrittskarten nach Peking gekommen, konnte aber mehrere gute Wettkämpfe sehen.

Trotz zahlreicher Lippenbekenntnisse zögern die Organisatoren damit, wirksam gegen den Handel einzugreifen. Am Sonntag hat die Polizei lediglich 340 Eintrittskarten beschlagnahmt.

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