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Der zweite Wettbewerb

Was wir aus der Doping-Affäre um den ungarischen Diskus-Olympiasieger Robert Fazekas lernen können? In erster Linie das: Es gibt neuerdings zwei Wettbewerbe bei Olympia.

Was wir aus der Doping-Affäre um den ungarischen Diskus-Olympiasieger Robert Fazekas lernen können? In erster Linie das: Es gibt neuerdings zwei Wettbewerbe bei Olympia. Im ersten versuchen Athleten, schneller zu laufen, höher zu springen oder weiter zu werfen als die Konkurrenz. Im zweiten Wettbewerb müssen die drei besten Athleten über eine Hürde kommen, die sich Doping-Kontrolle nennt. Was wir bisher nicht wussten: Der zweite Wettbewerb ist oft spannender als der erste. Im Diskuswerfen zum Beispiel:
22.15 Uhr: Olympiasieger Robert Fazekas wird nach seinem goldenen Wurf zur Abgabe einer Urinprobe aufgefordert.
22.52 Uhr: Der Ungar betritt die Toilette in Begleitung von zwei Kontrolleuren. Dort passiert erst mal nichts. Hat da jemand Blasenschwäche? Wir warten geduldig - gemeinsam mit den Kontrolleuren.
1.15 Uhr: Es klappt einfach nicht. Also verlässt Fazekas die Dopingkontrolle mit der Begründung, dass er sich nicht gut fühle und keinen weiteren Pipi-Versuch mehr unternehmen wolle.
2.00 Uhr: Die Kontrolleure wollen Fazekas in die Polyklinik des Olympischen Dorfs bringen. Doch der Ungar weigert sich. Er will keine sogenannte "Urinabgabe unterstützende Behandlung".
2.41 Uhr: Fazekas wird vorschriftsmäßig über Sanktionen informiert, die durch die Verweigerung der Urinprobe entstehen. Die Kontrolleure schließen ihre "Operation" ab.

Ist das nicht ein netter Krimi, der jedes Dressurreiten in den Schatten stellt? Olympia 2004 ist eben anders. Nicht immer lustig im Zeitalter der allzu sportlichen Pharmaindustrie. Aber immer spannend!

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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