Sportartikel-Konzerne profitieren von Zwischenhoch
Trampolin-Schuh soll Kurs helfen

Nikes neuer Schuh "Shox" soll nicht nur seinen Träger trampolinartig in die Luft katapultieren, sondern nach Wunsch des Sportartikelkonzerns am liebsten auch den Aktienkurs. Das sah bisher ganz gut aus. Seit der weltweit größte Sportartikelkonzern seine Innovation im November in Nordamerika und Asien auf den Markt gebracht hat, kletterte der Kurs bis auf das 52-Wochen-Hoch von 60 Dollar Anfang Januar. Inzwischen kostet die Aktie 53 Dollar. Ab heute steht "Shox" auch in Deutschland in den Läden.

DÜSSELDORF. Dass es aber tatsächlich der neue Schuh war, der den Kurs nach oben kickte, bezweifeln Analysten. "Das war eine gute Marketingaktion von Nike, aber ob sich das im Kurs niederschlägt?", zweifelt Jörg-Philipp Frey, Analyst bei der DG-Bank. Wahrscheinlicher ist, dass der Kurs gestiegen ist, weil sich das Geschäft in den USA, dem wichtigsten Markt für Sportartikel, wieder belebt. Die einstigen Überkapazitäten im Einzelhandel sind abgebaut.

Davon haben außer Nike auch Adidas, Reebok und Puma profitiert. Doch mit dem Kursaufschwung soll schon Schluss sein: "Die Rally ist vorüber", sagt Uwe Weinreich von der Bankgesellschaft Berlin. Von einem "Zwischenhoch" spricht Jörg Christians von der WGZ-Bank. Er sieht keine Erholung in der Branche: "Der Sportartikelmarkt bleibt schwierig". Seiner Meinung nach haben die Turnschuh-Hersteller von der Schwäche der Technologie-Aktien profitiert. Weinreich hat Nike und Adidas auf "Halten" herabgestuft. Ähnlich sieht es Tousette Edwards, Analystin beim Bankhaus Metzler. Auch sie hat Adidas auf "Halten" zurückgestuft. Und das sogar unmittelbar nachdem der deutsche Sportartikel-Konzern im Herbst seine neue Strategie vorgestellt hat: Adidas gliedert sich neu in die drei Divisionen "Forever Sport", "Original" und "Equipment" und erhofft sich davon eine bessere Positionierung der Marke. Demgegenüber macht WGZ-Analyst Christians "keine besonderen Verbesserungen" bei Adidas aus: "Der Aktie fehlt die Phantasie".

Gestern gab der Konzern das Datum für den Führungswechsel bekannt: Im März tritt Herbert Hainer die Nachfolge von Robert Louis-Dreyfus als Vorstandsvorsitzender an. Der Wechsel ist seit langem angekündigt, entsprechend reagierte der Kurs kaum und pendelte zwischen 75 und 77 Euro.

Metzler-Analystin Edwards beurteilt die beiden Großen der Branche verhalten: "Für Adidas und Nike wird es vor allem in Nordamerika eher schleppend verlaufen", warnt sie. Die Sportschuh-Hersteller hinken ihrer Einschätzung nach in puncto Bestellungen beide dem Konkurrenten Reebok hinterher. Reebok bringt jetzt neue Produkte auf den Markt. "Shox" sei längst im Kurs von Nike eingepreist, und Adidas komme erst in einigen Monaten aus den Startlöchern. Hingegen: "Reebok wird ziemlich erfolgreich sein." Seit Anfang Januar geht es mit dem Kurs bergauf, gestern lag er bei rund 27,50 Dollar.

Für Adidas ist das Geschäft in Nordamerika, mit dem rund 30 Prozent des Umsatzes erzielt werden, ohnehin das Sorgenkind. Das Unternehmen hat bereits angekündigt, dass das Geschäft dort 2000 schlechter gelaufen sei als erwartet. Ob es in diesem Jahr besser wird, darüber sind sich die Analysten nicht einig: Während Edwards skeptisch ist, sieht Frey (DG-Bank) die Chancen von Adidas in Nordamerika "verhalten positiv". Am optimistischsten ist Barbara Ambrus, Analystin bei der Landesbank Baden-Württemberg: "Die Situation in den USA wird sich verbessern." Sie sieht die Aktie deshalb auch als "Outperformer". Adidas hat ab diesem Jahr ein jährliches Gewinnwachstum von 15 Prozent vorhergesagt. Für das Jahr 2000 war noch ein Gewinneinbruch von rund 20 Prozent angekündigt worden, den die Neun-Monats-Zahlen mit einem Minus von 22 Prozent bestätigt haben.

Puma als kleinsten im Bunde der Sportartikel-Konzerne bescheinigen einige Analysten indessen gute Aussichten: "Puma hat es verstanden, die Marke zu positionieren, auch in den USA," sagt Christians von der WGZ-Bank und sieht die Aktie als "Market Performer".

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