Sportsparte soll Belebung bringen
EM.TV beginnt mit dem Neuaufbau

Nach zwei Jahren Aufräumarbeit blickt EM.TV-Chef Werner Klatten jetzt nach vorne: Das angestammte Geschäft mit Kinderfilmen soll durch die Zusammenarbeit mit Partnern erweitert werden. Durch den Kauf von DSF und Plazamedia baut Klatten gleichzeitig eine ganz neue Sparte auf.

HB MÜNCHEN. Die EM.TV AG kommt langsam wieder auf die Beine. Fast zwei Jahre lang hat Werner Klatten die Scherben der Einkaufstour der Haffa-Brüder aufgeräumt. Jetzt will der EM.TV-Chef das Geschäft des Filmrechtehändlers und Merchandising-Unternehmens wieder voran bringen. Mit dem Kauf des Deutschen Sportfernsehens (DSF) gemeinsam mit Karstadt-Quelle und der Übernahme des TV-Produzenten Plazamedia baut er ein zweites Standbein auf.

Die neue Sportsparte ist wichtig, denn das angestammte Geschäft mit Kinderfilmen läuft schon lange nicht mehr rund. Weil die Fernsehsender sparen, gehen die Umsätze aller Anbieter seit Monaten zurück. Viele Wettbewerber sind deshalb vom Markt verschwunden. Klatten sieht EM.TV aber gut aufgestellt und plant neues Wachstum: "Die kritische Größe für dieses Geschäft liegt aus langfristiger Sicht über dem, was wir jetzt haben. Deshalb streben wir Kooperationen an." Es gebe bereits Gespräche, aber noch keine Entscheidung. Teure Übernahmen schließt der frühere Sat-1-Chef aus. "Wir werden dabei kein finanzielles Risiko eingehen." Möglich sei eine Expansion ins Ausland oder eine Ausweitung des Angebots über das Kinderalter hinaus. Zusätzlich will Klatten die bei der insolventen Kirch Media verbliebenen Anteile an der gemeinsamen Kinderfilmbibliothek Junior TV möglichst schnell übernehmen.

EM.TV war unter der Führung von Thomas und Florian Haffa wie kein anderes Medienunternehmen am Neuen Markt auf eine milliardenschwere Einkaufstour gegangen. Die überteuerte Übernahme von Formel-Eins-Anteilen sowie der Kauf der Jim Henson Company und anderer Firmen haben fast zum Zusammenbruch geführt. Inzwischen hat Klatten fast alle Beteiligungen abgestoßen.

Nur eine schwere Last bleibt noch: 2005 muss EM.TV eine Wandelanleihe über 469 Mill. Euro zurückzahlen. Klatten hat bereits angekündigt, dass EM.TV die Anleihe aus heutiger Sicht nicht bedienen kann. Er verspricht jedoch: "Wir wollen dieses Thema noch dieses Jahr lösen."

Hohe Abschreibungen vor allem auf die Formel-Eins-Beteiligung führten im vergangenen Jahr zu einem Verlust von 310 Mill. Euro. Das Minus lag damit höher als der Umsatz von 250 Mill. Auch 2003 wird das im S-Dax notierte Unternehmen nach eigener Aussage keine schwarzen Zahlen schreiben.

Insbesondere die neue Sportsparte soll aber dafür sorgen, dass aus dem Minus bald ein Plus wird. Die TV-Produktionsfirma Plazamedia ist bereits profitabel, das DSF hat im April erstmals einen Gewinn erzielt. Gemeinsam mit dem Handelskonzern Karstadt und dem Investor Hans-Dieter Cleven verspricht Klatten, das DSF künftig besser aufzustellen. "Die Vermarktung des DSF kann deutlich verbessert werden." Zudem kündigte er an, in neue Sportrechte zu investieren. Die Mitarbeiter des DSF hören die Nachrichten gerne. Bei einer Betriebsversammlung habe gestern "eine positive Stimmung" geherrscht, berichtet ein Teilnehmer.

Die wenigen Analysten, die EM.TV noch unter die Lupe nehmen, sind skeptisch. Die Experten begrüßen zwar, dass die Geschäftsbasis erweitert wird. Wegen der Unsicherheit durch die Wandelanleihe raten die meisten Beobachter aber von einem Engagement ab.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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