Sportstätten verfallen
Olympische Ruinen: Dabeisein war alles

Wie das Gerippe eines toten Tieres ragt die Stahlgitterkonstruktion des Beachvolleyball-Stadions aus dieser Wüste auf. Vor vier Jahren herrschte hier Partystimmung. Jetzt wirbelt der heiße Sommerwind Staubwolken auf. Die Strandarena steht seit dem Ende der Spiele leer. Gänzlich ungenutzt ist das Areal allerdings nicht, es dient als wilde Müllkippe: Im Schutz der Dunkelheit brummen Laster mit ausgeschalteten Scheinwerfern durchs Gelände, laden Bauschutt und Sperrmüll ab – willkommenes Baumaterial für die Roma-Familien, die lange in ihren Verschlägen auf dem Küstenstreifen hausten, bevor sie jetzt von der Polizei vertrieben wurden.

Nichts versinnbildlicht die Misere des Athener Olympia-Erbes so bedrückend wie diese 24 Hektar Einöde. Dabei sollte dies eine der schönsten Küsten Europas werden: Schattige Spazierwege und idyllische Wasserläufe hatten die Olympiaplaner für die Zeit nach den Spielen versprochen, Sport- und Spielplätze sollten hier entstehen, ein Naherholungsgebiet für die Bewohner des Stadtteils Faliron, der fast kein Grün hat. Nichts davon ist verwirklicht worden.

Dabei gäbe es jeden Grund, die kommerzielle Nutzung der Olympiastätten in Angriff zu nehmen oder die wenigen bestehenden Nutzungskonzepte zu beschleunigen, nicht nur wegen der hohen Unterhaltskosten für die Anlagen. Die Griechen werden noch lange die Schulden abstottern müssen, die sie für die Spiele aufgenommen haben – mindestens 30 Jahre, rechnet die Wirtschaftszeitung „Ependytis“ vor. Das Budget für die Spiele betrug ursprünglich 4,6 Milliarden Euro. Nach offiziellen Angaben wurden es schließlich knapp elf Milliarden Euro (siehe „Die Kosten von Olympia“). Unabhängige Schätzungen gehen sogar in Größenordnungen von bis zu 20 Milliarden Euro.

Jedenfalls waren die Spiele für die Griechen ein kaum zu stemmender finanzieller Kraftakt: im Olympiajahr 2004 schoss das Haushaltsdefizit auf 7,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das Beispiel Griechenland zeigt: Kleine Länder können sich die Ausrichtung der Spiele kaum mehr leisten. China lässt sich die Show nach aktuellen Schätzungen umgerechnet 42 Milliarden Euro kosten. Die Griechen gaben zwar nach offiziellen Angaben nominell nur etwa ein Viertel so viel aus, gemessen an ihrer Wirtschaftskraft aber mehr als dreimal so viel, nämlich fast sieben Prozent ihres BIP – gegenüber zwei Prozent des BIP in China.

Umso erstaunlicher, dass die meisten Olympiastätten nicht genutzt werden – etwa die Küste von Agios Kosmas, wo die Segelwettbewerbe stattfanden. Der für die Spiele angelegte Yachthafen, Griechenlands modernste Marina, steht seit 2004 leer. Kein Boot liegt hier. Gras und Unkraut sprießen aus dem rissigen Asphalt. Die Gebäude verkommen. Das Gelände ist eingezäunt. „Hier darf niemand rein, fotografieren ist auch verboten“, sagt der grimmige Wachmann der Sicherheitsfirma Aspis, die das Gelände vor ungebetenen Besuchern schützen soll.

Nicht weit von Agios Kosmas befindet sich der frühere Athener Flughafen Ellinikon. Auch er gehört zum vernachlässigten Olympia-Erbe. Seit über sieben Jahren ist hier kein Flugzeug mehr gelandet oder gestartet, die Abfertigungshallen sind verwaist. Aber immer noch stehen die Schilder, als kämen morgen wieder neue Passagiere: „Domestic Departures, International Arrivals“.

Auf einem Teil des bereits im März 2001 stillgelegten Airports wurde für die Olympischen Spiele ein künstliches Wildwasser für die Kanuten angelegt. Ein Flugzeughangar war teilweise Austragungsort für das Basketballtunier. Aber seit dem Ende der Spiele ist der größte Teil des 600 Hektar großen ehemaligen Flughafengeländes eingezäunt. In einer Ecke des Rollfelds: ein Flugzeugfriedhof. Hier verrotten mehrere ausgeschlachtete Jets der Staatslinie Olympic Airways.

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