Sportwagenhersteller legt auf seine Vorzugsaktionäre wenig Wert
Kommentar: Porsche-Chef in der Sackgasse

Bei Porsche ist der Kunde noch König. Wie kaum ein anderer Automobilkonzern versteht es der Stuttgarter Sportwagenhersteller, seine weltweite Kundschaft zu pflegen. Doch wie man Anleger pfleglich behandelt, das muss das Nobelunternehmen erst noch lernen. Bis heute sind die freien Aktionäre bloße Vorzugsaktionäre ohne jegliches Stimmrecht, manchmal hat es den Anschein, als seien sie dem Unternehmen einfach nur lästig. Porsche ist von seinem Selbstverständnis her ein Familienunternehmen geblieben, bestimmt von den Familien Porsche und Piëch. Und diese haben Scheu vor allzu großer Transparenz.

Dies erklärt auch, warum sich Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vehement weigert, Quartalsberichte zu veröffentlichen. Noch meint der wortgewandte, keine Kontroverse scheuende Manager, die Konsequenzen gut verkraften zu können: den Rauswurf der Porsche-Aktie aus dem M-Dax. Porsche wird künftig nicht mehr unter den 100 deutschen Top-Aktien geführt.

Bis heute fällt es den Familien Porsche und Piëch schwer, Wünsche ihrer Vorzugsaktionäre zu akzeptieren. So ist noch immer spürbar, dass der Börsengang von Porsche 1985 aus der Not geboren war. Mit dem frischen Geld der Vorzugsaktionäre zahlte damals der Familienclan einen Teil der Erben aus und beendete den Familienstreit. Dafür müsste man den Aktionären dankbar sein. Doch stattdessen speist man sie mit mageren Dividenden ab. Und unendlich schwer fiel es den Mehrheitsaktionären, der Forderung der Anleger nach einem Aktiensplit nachzukommen. Anfang des Jahres kam es endlich zum Split von 1:10. Doch mit 405 Euro ist die Aktie für Privatanleger weiterhin sehr teuer.

Wiedekings Nein zu den Quartalsberichten reiht sich nun ein in diese Entscheidungen gegen die Anleger. Seine frühe kompromisslose Haltung hat ihm zuletzt einen Rückzieher unmöglich gemacht. Aus dieser Sackgasse wäre er ohne erheblichen Gesichtsverlust nicht herausgekommen.

Kratzer hat sein Ansehen ohnehin bekommen, denn die Argumente sind dünn und längst zerpflückt. Selbst Porsche tut sich mit Erklärungsversuchen inzwischen schwer. Schließlich kommen viele kleinere Unternehmen mit Quartalsberichten zurecht. Und in den USA, wo Porsche jedes zweite Fahrzeug verkauft, sind sie Pflicht. Zudem kennt auch die Firmenleitung die Überlegungen der Bundesregierung, Quartalsberichte gesetzlich vorzuschreiben. Es könnte also nur noch eine Frage von ein bis zwei Jahren sein, bis auch der Sportwagenhersteller diese Berichte veröffentlichen muss.

Es ist nicht das erste Mal, dass Wiedekings Impulsivität Porsche in Erklärungsnöte bringt und manchmal auch Geld kostet. Die deutschen Steuerzahler könnten Wiedeking ja dankbar dafür sein, dass er wie der Gralshüter der reinen Marktwirtschaft Subventionen lautstark kritisiert. Ganz anders die Aktionäre. Während der Porsche-Chef staatliche Hilfen für die neue Fabrik in Leipzig konsequent abgelehnt hat, greift die Konkurrenz von BMW in Leipzig und Daimler-Chrysler in Thüringen ganz ungeniert danach.

Noch nehmen die Porsche-Aktionäre den Rauswurf aus dem M-Dax gelassen hin. Schließlich bleibt der Sportwagenhersteller auf Gewinnhöhenflug - mit der Aktie im Schlepptau. Dafür genießt Wiedeking zu Recht hohe Anerkennung. Bei einem schwierigeren Geschäftsumfeld allerdings könnte Porsche sehr schnell die Quittung für die mangelnde Transparenz bekommen und von den Anlegern heftig abgestraft werden. Wiedeking und die Mehrheitsaktionäre sollten also nicht übersehen, dass sie die Gunst der ungeliebten Vorzugsaktionäre für die ehrgeizigen Wachstumsziele durchaus benötigen.

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