Sportwissenschaftler der Ruhr-Uni entwickelt spezielles Krafttraining
Liegestütze stärken kranke Lungen

Wenn das morgendliche Anziehen zu einer kraftraubenden Anstrengung und die Sauerstoffflasche zum ständigen Begleiter wird, ist an ein selbstbestimmtes Leben kaum noch zu denken. Brachten übliche Behandlungsformen Patienten mit chronischen Lungenkrankheiten bislang kaum Besserung, kann ein neues spezielles Krafttraining sogar Leistungsfähigkeit der Lunge zum Teil wiederherstellen.

hsn DÜSSELDORF. Bislang war es kaum möglich, die Lebensqualität von Patienten mit der chronischen Lungenkrankheit COPD (steht für chronic obstructive pulmonary disease) annähernd zu verbessern. Erst mit dem Therapiekonzept, das der Bochumer Sportwissenschaftler Peter Richard Wright angewendet, scheint es für Menschen mit dieser Krankheit Hoffnung zu gegen: Erste Studien belegen, dass sein speziell auf COPD-Patienten zugeschnittenes Krafttraining die Leistungsfähigkeit der Lunge zum Teil wiederherstellen kann.

Viert häufigste Todesursache in Deutschland - diesen unrühmlichen Platz nimmt COPD schon heute ein. Doch während die durch Herzinfarkt und Schlaganfall bedingten Todesfälle in den vergangenen Jahren stetig weniger wurden, steigt die Anzahl der Opfer dieser Lungenerkrankung weiterhin beharrlich in die Höhe. "Meist trifft es Raucher oder Ex-Raucher, aber es gibt auch eine genetische Komponente", beschreibt Wright die Gruppe der Betroffenen. Ihre Atemwege entzünden sich, die Elastizität der Bronchien und die Anzahl der Lungenbläschen nimmt ab, die Bronchialschleimhaut wird geschädigt. Atemnot wird zum Dauerzustand, der oft von Müdigkeit, reduzierter körperlicher Belastbarkeit und sogar von Depressionen und Vereinsamung begleitet wird.

"Frühere Therapien veränderten an der Symptomatik nur wenig und manche führten die Patienten oft geradewegs in einen Teufelskreis", berichtet Wright. Denn das ehemals stark propagierte Konzept "schonen, schonen, schonen" sorgte lediglich dafür, dass sich die Muskulatur schrittweise immer weiter abbaut und sich der Patient so zunehmend schwächer fühlt.Und auch das von manchen Ärzten verschriebene Ausdauertraining lässt sich in der Praxis nur schlecht umsetzen, da hier die akute Atemnot der Betroffenen ein gravierendes Hindernis ist. Stattdessen setzt Wrights Konzept darauf, Muskeln aufzubauen, schrittweise den ganzen Körper zu stärken und so auch hormonelle Veränderungen anzustoßen. .

Klar, dass ein solches Krafttraining speziell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Lungenkranken angepasst sein muss. Doch wer sich bloß ein sachtes Armkreisen oder gemütliche Stuhlgymnastik vorstellt, liegt falsch. "Das ist richtig hartes Training", versichert Wright. Insgesamt 40 Patienten nahmen, auf Behandlungs- und Kontrollgruppe verteilt, drei Monate lang an der Studie teil. Dreimal in der Woche und jedes Mal bis zu zwei Stunden trafen sich die 25 Mitglieder der Behandlungsgruppe zu gemeinsamen Bankdrücken, Kniebeugen und anderen schweißtreibenden Übungen. Unter den wachsamen Augen der Therapeuten wurde das Befinden der Patienten regelmäßig überprüft: Belastungstests auf Laufband und Fahrrad sowie Messungen der Lungenleistung spiegelten die körperliche Entwicklung wider, standardisierte Fragebögen die seelische.

Ergebnis der Studie: Die Quälerei hat sich gelohnt. Schon nach wenigen Wochen waren die Testpersonen kräftiger, ausdauernder, psychisch stabiler und zuversichtlich geworden. Manche, die zuvor ständig auf Sauerstoff angewiesen waren, konnten nun das zweistündige Training völlig ohne diese Hilfe meistern. Und auch die Lunge selbst hatte von den Übungen profitiert: bei den meisten Patienten zeigte sich, dass die Leistungsabnahme des Organs durchaus rückgängig zu machen ist.

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