Sprachcomputer dolmetscht in Sekundenschnelle
Zukunftspreis für das Verbmobil

Prof. Wolfgang Wahlster hat den mit rund einer halben Million DM dotierten Deutschen Zukunftspreis 2001 erhalten. Er wurde für das Projekt „Sprachverstehende Computer als Dialog- und Übersetzungsassistenten“ ausgezeichnet.

SAARBRÜCKEN. Prof. Wolfgang Wahlster hat den mit rund einer halben Million DM dotierten Deutschen Zukunftspreis 2001 erhalten. Er wurde für das Projekt "Sprachverstehende Computer als Dialog- und Übersetzungsassistenten" ausgezeichnet. Wahlster führte das Wissenschaft und Wirtschaft verbindende Projekt Verbmobil mit einer Vielzahl marktfähiger Produkte und mehreren Firmenneugründungen zu einem internationalen Erfolg.

Die Forscher vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) an der Universität in Saarbrücken haben diesen ersten sprachverstehenden Übersetzungscomputer der Welt entwickelt, der über das Handy per Dreierkonferenz aktiviert werden kann. Der Computer redet Deutsch, Englisch oder Japanisch. Er dolmetscht in Sekundenschnelle zwischen Geschäftsleuten aus Tokio, New York oder Frankfurt, die in ihrer Muttersprache telefonieren.

Jahrelang hatten die saarländischen Wissenschaftler Millionen von menschlichen Stimmdaten aufgenommen und Umsetzungsprogramme dazu entwickelt. Hauptprobleme waren die Grammatik und die Mehrdeutigkeit vieler Begriffe, etwa das deutsche Wort "Bank" für Geldinstitut, Parkbank oder Datenbank. Noch beschränkt sich der dreisprachige Übersetzungscomputer auf Themen wie Reisen, Konferenzen und Verträge.

Aus dem sprachverstehenden Computer sind inzwischen viele Produkte hervorgegangen. Dazu gehören ein bis auf Lenkung und Bremsen weitgehend sprachgesteuertes Auto, das Vorlesen von E-Mails durch den Computer und eine automatische Musik-Suche nach Sprachbegriffen im Internet. Eine japanische Firma stellt mit der Technik einen 4 500 Mark teuren Spielzeug-Hund her, der auf Kommando einen Ball sucht und Pfötchen gibt.

Wahlster, der von 1991 bis 1993 Präsident des Weltverbandes für Künstliche Intelligenz in den USA war, sieht dennoch weiteren Entwicklungsbedarf. Denn sein Computer ist noch nicht so ausgereift, dass er den Sprachenwirrwarr auf der Welt mit einem Schlag beenden könnte. "Bei der deutsch-japanischen Computerübersetzung von Liebesgeflüster oder einem philosophischen Elaborat müssen wir passen", sagt der Informatiker.

dpa/mer

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