Sprecher der Geschäftsführung bei der Privatbank Delbrück & Co.: Peter von der Heydt: Zu selten nein gesagt

Sprecher der Geschäftsführung bei der Privatbank Delbrück & Co.
Peter von der Heydt: Zu selten nein gesagt

Seine Diagnosen trafen, doch bei der Therapie des Privatbankhauses zauderte von der Heydt. Jetzt will er die Unabhängigkeit der Traditionsadresse bewahren.

KÖLN. "Die Macht der Mächtigen ist sehr begrenzt. Das war im Altertum nicht anders als in der Gegenwart. Das gilt für Könige und Diktatoren..." - so charakterisierte Privatbankier Peter von der Heydt die Gestaltungsmöglichkeiten von Politikern. Gleiches gilt wohl auch für ihn selbst, als Lenker bei Delbrück & Co., einer der letzten unabhängigen deutschen Privatbankadressen, neben Oppenheim, Metzler und Warburg.

Vor Jahren schon habe von der Heydt die richtige Diagnose gestellt, bescheinigen ihm andere Bankiers. Delbrück müsse weg von einer "Universalbank en Miniature", sich ganz auf das Geschäft mit dem Mittelstand konzentrieren. Somit zurück zu den Wurzeln, als die Bank bei der Geburt heutiger Weltkonzerne wie Krupp und Siemens mit Rat und Geld Pate stand.

1997 gab von der Heydt die neue Marschrichtung aus: "Für Banken kommt es darauf an, eigene Risiken und die Risiken ihrer Kunden in tragbaren Grenzen zu halten. Im Zweifel gilt: Man muss öfter ?Nein? sagen". Ganz so wie der CDU-Politiker von der Heydt, der 1987 nach sieben Jahren nicht wieder für den Bundestag kandidierte. "Ich wollte nie Berufspolitiker werden."

Doch bei Delbrück habe der Philosoph unter den Bankern wohl zu selten "nein" gesagt; nicht entschieden genug auf die Umsetzung seiner Therapievorschläge gedrängt. Anders jedenfalls können sich Weggefährten den sehr späten - tatsächlich erst 2000 erfolgten - Kurswechsel bei Delbrück nicht erklären. Nicht energisch genug habe sich der "Zauderer" gegenüber manchem Partner, Eigner und Kunden durchgesetzt. Jetzt steht der Bankier vor einem Scherbenhaufen, ebenso verunsichert wie die rund hundert Eigentümer von Delbrück.

Dies schmerzt von der Heydt sichtlich. Sieht er doch die Unabhängigkeit der Privatbank als ein hohes Gut, welches Generationen von Bänkern seit 1712 über die Zeit bewahrt haben. Doch dieses Gut ist gefährdet, wenn die Unabhängigkeit überhaupt noch zu retten ist. Doch in dieser Situation erwacht sein Kampfgeist. Mit dem Gerücht über eine Übernahme der Bank konfrontiert, geht er in die Offensive, beschreibt mit markanten Worten offen und ehrlich den Zustand der angeschlagenen Privatbank: neu entdeckte hohe Risiken im Kreditgeschäft, Auflösung stiller Reserven und die Suche nach einem strategischen Partner.

Schon mit dieser Offenheit bricht er ein ungeschriebenes Gesetz im verschwiegenen, diskreten Privatbankgewerbe. Kein Zweifel: Von der Heydt, seit 1970 Mitinhaber der Traditionsbank, will die Krise nutzen und kämpft, fast trotzig sagt er: "Es ist nie zu spät - in jedem Moment liegt eine Chance". Er will die Bank stabilisieren und mit einer Zukunftsperspektive in die Hände eines Nachfolgers zu übergeben, daran lässt der 63-Jährige im Gespräch im Kölner Stammhaus der Bank keinen Zweifel.

Beim Eintreten spürt der Besucher die Tradition, die sicher auch als Last auf den Schultern des Bankenlenkers liegt. Hat doch sein Urgroßvater Karl von der Heydt den Kölner Sitz der Bank 1919 gegründet. Wie eine Mahnung erinnert erscheint da der in Öl verewigte Ahn, welcher seinen Urenkel täglich an die lange Tradition der Bank erinnert, die über die Jahrhunderte viele Familie prägten, ob sie von der Heydt, Königs, Stracks oder Momm hießen.

Doch die Zeiten ändern sich, was nicht nur die verwaist wirkende, mit edlen Hölzern ausgestattete Schalterhalle in der Zentrale im geschrumpften Kölner Bankenviertel dem Besucher verdeutlich. Laufkunden betreten nur noch selten die Halle, seit sich die Bank aus dem unwirtschaftlichen Giro- und dem klassischen Kreditgeschäft zurückzieht. All dies sind Anzeichen für die Lockerung der Bindungen und Verpflichtungen zwischen Kunden und Bank, zwischen persönlich haftenden Gesellschaftern und Eigentümern.

Für einen Wertkonservativen wie von der Heydt ist dies eine schwierige Gemengelage für eine Rettung der Bank. Dabei zeigt er Verständnis für die diffuse Gesellschafterstruktur. Schließlich sei nicht für jeden Eigner das Investment in der Bank unter Vermögensgesichtspunkten noch die richtige Wahl. Doch vielleicht zaudert von der Heydt bereits wieder. So wie so oft in der Vergangenheit. "Besser er schläft mit der Faust einmal auf den Tisch", sagen Bankiers.

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