Sprecher: Habe bereits beim "Stern" mehr verdient als mein Vorgänger
Bahn dementiert Bericht über Höhe der Führungsgehälter

Trotz ihres Sparkurses hat die Deutsche Bahn die Gehälter ihrer Führungsspitze offenbar kräftig erhöht. Das Unternehmen will juristisch gegen einen entsprechenden "Focus"-Bericht vorgehen, der die Höhe beziffert hatte.

ap FRANKFURT/MAIN. Die Deutsche Bahn hat bestritten, dass die Gehälter ihrer Führung trotz des Sparkurses drastisch gestiegen sind. Chefsprecher Dieter Hünerkoch sagte am Freitag, das Unternehmen werde juristisch gegen einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" vorgehen, die Rechtsabteilung prüfe mögliche Schritte.

Das Blatt hatte unter Berufung auf Bahn-Mitarbeiter berichtet, dass der Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn ein Jahresgehalt von drei Mill. DM kassiere. Sein Vorgänger Johannes Ludewig habe mit nicht einmal einer Mill. weit darunter gelegen. Auch der neue Leiter der Unternehmenskommunikation, Dieter Hünerkoch, erhalte fast 750 000 DM. Dessen Vorgänger Stephan Heimbach habe sich mit 250 000 DM begnügen müssen.

Gehälter liegen auch nach Bahn-Angaben über denen der Vorgänger

Hünerkoch sagte, die Gehälter seien nicht so hoch wie behauptet. Sie lägen allerdings über denen der Vorgänger. Mehdorn erhalte seines Wissens sogar weniger als in seinem früheren Job bei der Firma Heidelberger Druckmaschinen. Er selbst habe bereits bei seinem letzten Arbeitgeber, dem Magazin "Stern", mehr verdient als sein Vorgänger bei der Bahn, sagte Hünerkoch. Die Differenz zur behaupteten Summe von 750 000 DM liege etwa in Höhe des Jahresgehalts eines Tageszeitungsredakteurs. Dieses beträgt zwischen 70 000 und 114 000 DM, das tatsächliche Gehalt beträgt demnach mindestens 636 000 DM.

Politiker hatten in dem Magazin bereits empört auf die angegebenen Gehälter reagiert. Der Chef der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Ottmar Schreiner, forderte: "Die Bahn-Führung sollte nicht Wasser predigen und selber Wein trinken, sondern mit gutem Beispiel vorangehen." Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Thea Dückert, erklärte: "Müssen Personalkosten eingespart werden, gilt das für alle Ebenen - auch für die Führungsspitze." Der stellvertretende Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Hermann-Josef Arentz, sprach von einem Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. "Das sind Auswüchse, die an einen Selbstbedienungsladen erinnern."



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