Sprecher weist Vorwürfe zurück
Ermittlungsverfahren gegen Boris Becker eingeleitet

Die Staatsanwaltschaft München hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Tennisstar Boris Becker (33) wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung eingeleitet. Einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" bestätigte das bayerische Justizministerium am Samstag.

dpa MÜNCHEN. Laut "Focus" soll Becker dem deutschen Fiskus durch eine vorgetäuschte Verlegung seines Wohnsitzes nach Monaco 33 Mill. DM (rund 16,9 Mill. Euro) vorenthalten haben. Im schlimmsten Fall drohe Becker im Fall einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren.

"Das ganze ist ein formelles Vorgehen, wie es in solchen Situationen üblich ist", sagte Becker-Sprecher Robert Lübenoff am Samstagabend. Die Vorwürfe würden zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen unter dem Aktenzeichen 303- Js-44173/01 aufgenommen, schreibt "Focus". Zuvor hätten die Steuerfahnder am 24. August ihren Abschlussbericht vorgelegt - 312 Seiten dick mit 40 Seiten Anhang.

Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass Becker seit 1985 seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland hatte und nicht in Monaco. Somit gelte deutsches Steuerrecht. Beckers Geschäfte seien zudem seit seinem ersten Wimbledon-Sieg 1985 von seinem Elternhaus in Leimen aus geführt worden. Beckers Vater habe von dort aus den Sponsoren Anweisungen erteilt, Verträge ausgehandelt und Preisgelder kassiert.

Lange Geschichte

Für "entscheidungsunerheblich" hielten die Ermittler dagegen, dass Becker als Angestellter der Firma Tivi B.V. seines Managers Ion Tiriac mit Sitz in Amsterdam firmierte. Die Generalvollmacht für die Geschäfte des jungen Tennisstars habe bei Vater Karl-Heinz und Mutter Elvira Becker in Leimen gelegen.

Der Steuerstreit hat eine lange Geschichte. Dabei geht es insgesamt um die Jahre von 1985 bis 1993. Damals lebte der Tennisstar im Steuerparadies Monaco. 1993 kaufte er in München-Bogenhausen ein Haus und heiratete im Dezember Barbara Feltus. Bereits im Dezember 1996 durchsuchten Ermittler die Villa der Beckers in München und beschlagnahmten Unterlagen. Im Sommer 1998 wurden dann etwa 30 Büros und Wohnungen von Bekannten und Sponsoren Beckers durchsucht. Bislang hatte es die Staatsanwaltschaft München jedoch immer abgelehnt, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.

Nun haben Beckers Anwälte laut "Focus" bis Ende November Zeit, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Danach entscheide die Münchner Staatsanwaltschaft, ob sie Anklage erhebe. "Wir geben zum Stand des Ermittlungsverfahrens derzeit keine Erklärung ab", zitiert "Focus" Becker-Anwalt Jan Olaf Leisner. Mit einer Entscheidung der Staatsanwaltschaft werde nicht vor dem Frühjahr gerechnet.

Steffi Graf schloß Frieden

Nach der mit viel Mediengetöse vollzogenen Scheidung von seiner Frau im Januar und dem Vaterschaftsstreit um seine Tochter Anna mit dem russischen Fotomodell Angela Ermakowa musste der Geschäftsmann Boris Becker in diesem Jahr schon vor der Entscheidung der Münchner Staatsanwälte, die Ermittlungen gegen ihn aufzunehmen, einige Niederlagen hinnehmen: Im Juni ging sein Internetportal Sportgate Pleite und im August stellte seine Agentur BBM Boris Becker Marketing GmbH (Unterföhrung) ihre Arbeit ein.

Steffi Graf dagegen hat ihren Frieden mit den deutschen Steuerbehörden längst gemacht. Die Tennis-Königin zog Ende 2000 eine Klage gegen Steuerbescheide in Millionenhöhe zurück und zahlte - laut "Bild"-Zeitung damals insgesamt 27 Mill. DM.

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