Sprechstunden werden deutlich zurückgefahren
Mehr als 30 Kassen wollen Beiträge erhöhen

Zwei Tage vor dem geplanten Stopp für Beitragserhöhungen wollen mehr als 30 Krankenkassen ihre Sätze im Eilverfahren anheben. Das ist das Ergebnis einer dpa-Umfrage vom Dienstag.

HB/dpa BERLIN. Die Ärzte drohen unterdessen mit Protesten gegen das von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplante Sparpaket. "Temporäre Praxisschließungen sind kein Tabu-Thema mehr", hieß es in einer Mitteilung des Ärzteverbandes Hartmannbund. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 370 Krankenkassen.

Bei der Bundesversicherungsanstalt in Bonn waren am Dienstagnachmittag 23 Anträge auf Beitragserhöhungen eingegangen, darunter einer von einer Innungs- und 22 von Betriebskrankenkassen. Details zu den Kassen oder über die Höhe der geplanten Anhebungen wurden nicht genannt. "Wir prüfen nun, ob die Kassen begründen können, dass sie ihre Beiträge erhöhen müssen", sagte ein Sprecher. Die Bundesversicherungsanstalt ist für alle bundesweit vertretenen Kassen zuständig.

Elf Anträge von Betriebskrankenkassen

In den Gesundheitsbehörden der Länder liegen derzeit mindestens elf Anträge auf Beitragserhöhungen von Betriebskrankenkassen vor, davon sechs in Baden-Württemberg, vier in Nordrhein-Westfalen und eine in Sachsen-Anhalt. Nach Angaben des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen will jede siebte Mitgliedskasse kurzfristig die Sätze erhöhen. Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Schmeick sprach im ZDF von einer Erhöhung auf mindestens 14,2 Prozent.

Der Hartmannbund warnte vor den Folgen des Sparpakets, das Schmidt am Donnerstag im Bundestag einbringen will. "Ausbildungsverträge für Arzthelferinnen werden im kommenden Jahr nicht mehr abgeschlossen, die Personalbestände werden ausgedünnt und die Sprechstunden werden deutlich zurückgefahren", sagte der Vorsitzende Hans-Jürgen Thomas.

Das Bündnis Gesundheit 2000 rief für den kommenden Dienstag zu einer Kundgebung in Berlin auf. "Die schon bestehende Unterversorgung in der ambulanten Versorgung im Osten Deutschlands wird dramatische Ausmaße annehmen", warnte das Bündnis, das nach eigenen Angaben 4,2 Millionen direkt und indirekt im Gesundheitswesen Beschäftigte repräsentiert.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller warnte vor Arbeitsplatzabbau in der Pharmabranche und warf der Bundesregierung Wortbruch vor. Zwei Drittel der Mitgliedsunternehmen müssten wegen der geplanten Einschnitte Arbeitsplätze abbauen. Knapp 40 Prozent der Unternehmen planten einen Investitionsstopp.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%