Sprengköpfe sollen nicht vernichtet werden
Abrüstungsvertrag USA Russland nicht in Sicht

Ein neues Abkommen zur Reduzierung strategischer Atomwaffen zwischen den USA und Russland wird möglicherweise nicht bis zum Gipfeltreffen zwischen den Präsidenten George W. Bush und Wladimir Putin Ende Mai fertig. Das verlautete aus der Delegation von US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, der am Montag in Moskau seinen russischen Kollegen Sergej Iwanow traf. Beide sprachen aber von Fortschritten bei den Verhandlungen.

Reuters MOSKAU. Die USA und Russland sind im Prinzip übereingekommen, den Bestand ihrer Atomsprengköpfe für strategische Waffen von derzeit mehr als 6000 auf jeder Seite in den kommenden zehn Jahren auf 1 700 bis 2 000 zu reduzieren. Ursprünglich gab es Pläne, ein entsprechendes Abkommen auf dem am 23. Mai beginnenden Gipfeltreffen zu unterzeichnen.

"Ich persönlich glaube, wir haben heute einen gewissen Fortschritt erreicht", sagte Iwanow nach dem Gespräch, ohne ins Detail zu gehen. Rumsfeld pflichtete ihm bei und ergänzte, die Verhandlungen würden noch diese Woche in Washington fortgesetzt. Die Entscheidungen lägen dann bei den Präsidenten.

Der umstrittenste Punkt in den Verhandlungen ist die Absicht der US-Militärs, von den abgebauten Sprengköpfen nicht alle zu verschrotten, sondern 2 400 als Einsatzreserve einzulagern, wie US-Abrüstungsexperten kürzlich mitteilten. Im diesjährigen Bericht des Verteidigungsministeriums über die Einsatzgrundsätze für Atomwaffen wird diese Einsatzreserve als "responsive force" bezeichnet. Der Begriff beschreibt jene Sprengköpfe, die sich nicht auf Langstreckenraketen, U-Booten und Langstreckenbombern befinden, bei Bedarf aber sehr schnell auf diesen Trägersystemen installiert werden können; einige innerhalb weniger Tage, andere innerhalb von Wochen oder Monaten. Russland ist gegen die Beibehaltung dieser Einsatzreserve. Die USA würden jedoch daran festhalten, sagte ein Mitglied der Rumsfeld-Delegation.

Abrüstungsexperten in den USA gehen davon aus, dass die Militärs neben der Einsatzreserve noch Tausende von Sprengköpfen als inaktive Reserve behalten wollen. Deren genaue Zahl sei kaum abzuschätzen. Einige Abgeordnete des US-Kongresses, die sich für die Abrüstung der Atomwaffen einsetzen, äußerten bereits Zweifel daran, dass die Bush-Regierung ernsthaft an der Reduzierung der strategischen Atomwaffen interessiert sei. Sie warnten, dass Russland dies zum Anlass nehmen könnte, seine Sprengköpfe ebenfalls einzulagern, und dies möglicherweise unter unsicheren Bedingungen.

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