Sprengkopf mit Zimmermannshammer bearbeitet
Raketenunglück: Scharping bestätigt Fehler

Die tödliche Raketenexplosion in Kabul vor zwei Wochen ist nach den Worten von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) offenbar auf Fehler der beteiligten Soldaten zurückzuführen.

dpa BERLIN. Scharping sagte der "Bild am Sonntag", es gebe leider "starke Indizien für menschliches Fehlverhalten". Nach einem Bericht des "Spiegels" hat es erhebliche Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften und Schludrigkeit im Umgang mit dem Blindgänger gegeben. Zu diesem Ergebnis sei die deutsch-dänische Untersuchungskommission gekommen. Ein Sprecher Scharpings sagte, die bis jetzt vorliegende Untersuchungsbericht sei vorläufig.

Scharping sagte, zu dem Unglück müssten noch Soldaten gehört werden, "die zur Zeit noch mit schwersten Verletzungen auf der Intensivstation liegen". Sein Sprecher erläuterte, die rechtliche Bewertung und Schlussfolgerung falle klar in die Zuständigkeit der Lüneburger Staatsanwaltschaft. Diese ermittelt gegen einen 31- jährigen Feldwebel aus dem niedersächsischen Munster wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung.

Gravierende Fehler beim Zerlegen der Rakete

"Der Spiegel" berichtete, laut Untersuchungsbericht habe bereits die Verabredung der deutschen, dänischen und britischen Experten, die russische Rakete nicht zu sprengen, sondern zu zerlegen, den Vorschriften widersprochen. Die Kampfmittelexperten beim Brigadestab hätten beschlossen, nicht alle gefundenen Raketen vor Ort zu zerstören, sondern einige zu entschärfen, zu zerlegen und dann als "Ausbildungsmuster" in die Heimat zu transportieren.

Der Bericht beschreibt laut "Spiegel" zudem gravierende Fehler beim Zerlegen der Raketen. Nachdem der Sprengkopf der Rakete in eine Sprenggrube gebracht worden war, habe ein Soldat diesen mit einem Zimmermannshammer und einem Schraubenzieher bearbeitet. Dabei sei es zu der Explosion gekommen. Drei dänische und zwei deutsche Soldaten wurden getötet.

Die Kampfmittelfachleute hätten nicht nur das falsche Werkzeug benutzt, schreibt das Magazin weiter. Auch sei die ordnungsgemäße Reihenfolge beim Zerlegen nicht eingehalten worden. Zudem hätten sich zu viele Soldaten auf dem Sprengplatz befunden. Deshalb habe es zu fünf Toten und acht Verletzten kommen können.

Am Freitag hatten Zeitungen unter Berufung auf Obleute des Verteidigungsausschusses des Bundestags berichtet, die Soldaten hätten Teile der alten russischen Rakete als Souvenir mitnehmen wollen. Der "Bild"-Zeitung und die "Nordwest-Zeitung" (Oldenburg) stützten sich auf Angaben aus dem Kreis der Obleute, die von Verteidigungsstaatssekretär Klaus-Günther Biederbick am Dienstagabend informiert worden waren.

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