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Sprengstoff-Fund in Wohnung: Ganzes Viertel war bedroht

Die Polizei in Herne hat eine mit Sprengstoff und Chemikalien voll gestopfte Wohnung geräumt und damit vermutlich eine Katastrophe für ein ganzes Wohngebiet verhindert. In der Wohnung seien bis unter die Decke mehrere Zentner Sprengstoff und giftige Chemikalien gestapelt gewesen.

dpa HERNE. Die Polizei in Herne hat eine mit Sprengstoff und Chemikalien voll gestopfte Wohnung geräumt und damit vermutlich eine Katastrophe für ein ganzes Wohngebiet verhindert. In der Wohnung seien bis unter die Decke mehrere Zentner Sprengstoff und giftige Chemikalien gestapelt gewesen.

Das berichtete Polizeisprecher Frank Plewka am Donnerstag: "Bei einer Explosion wäre das Wohngebiet sicher schwer zerstört worden." Bei dem 52-Jährigen Mieter, einem ehemaligen Bergmann, handele es sich um einen unbedarften Hobby-Chemiker.

Nachdem die Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes am Mittwochabend in dem Mehrfamilienhaus angerückt waren, lösten sie schnell Großalarm aus: In der rund 50 Quadratmeter großen Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung lagerten unter anderem mehrere Kilo TNT und roter Phosphor, der im Brandfall mit Wasser nicht zu löschen ist, sondern eher noch angefacht wird. Außerdem hätten die Experten eingetrocknete Pikrinsäure gefunden, die in diesem Zustand hoch explosiv sei und nicht transportiert werden könne, berichtete Plewka.

Daraufhin wurden zunächst aus insgesamt vier Wohnblocks mehr als 100 Anwohner in Sicherheit gebracht. Dann brachten die Experten die Substanz auf einer Grünfläche vor dem Haus zur Explosion. In der verwahrlosten Wohnung fanden die Beamten neben Sprengstoff, Munition und Granaten auch hochgiftige Substanzen wie etwa Natriumzyanid. "Die Menge von etwa einem Kilogramm hätte ausgereicht, um bis zu 20 000 Menschen zu vergiften", sagte der Polizeisprecher.

Der 52-Jährige sei "harmlos im Motiv, aber hoch gefährlich im Handeln" gewesen, betonte Plewka. Der ehemalige Bergmann sei seit seiner Kindheit von chemischen Experimenten mit Knalleffekten fasziniert gewesen. Im Laufe seines Lebens habe er dann in der Wohnung immer mehr Chemikalien und Sprengstoff angesammelt, ohne sich Gedanken über die Gefahren zu machen. Den Nachbarn war das gefährliche Treiben ihres Mitbewohners nie aufgefallen. "Sie beschrieben ihn als netten und freundlichen Mieter, der stets pünktlich die Treppe geputzt habe", berichtete Plewka. Dass es ab und zu mal hinter der Wohnungstür knallte, habe niemanden gestört.

Auf die Spur kam die Polizei dem 52-Jährigen durch den Hinweis eines Lieferanten, gegen den in Düsseldorf wegen Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt wurde. Dieser habe eine Lebensbeichte abgelegt und dabei auch den Mann aus Herne als Kunden angegeben, so Plewka. Den ehemaligen Bergmann erwarteten nun zahlreiche Anzeigen. Dabei reicht die Palette vom Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz bis hin zu Ordnungswidrigkeiten. Haftbefehl solle nicht beantragt werden.

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