Springer interessiert
Kirch-Insolvenzantrag unterschrieben

Der Insolvenzantrag der Kirch-Gruppe ist nach Informationen aus Unternehmenskreisen bereits unterschrieben. Er werde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur definitiv noch an diesem Montag beim Amtsgericht München eingereicht. Im Anschluss wollen die Banken und der Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray voraussichtlich auf einer Pressekonferenz ihre Vorstellungen für eine Auffanglösung vorstellen. Bis zum frühen Morgen war beim Münchner Amtsgericht laut einem Sprecher noch kein Insolvenzantrag eingegangen.

HB/dpa MÜNCHEN. Die Banken wollen angesichts der kurz bevorstehenden Insolvenz der Kirch Media eine Zerschlagung des Medienkonzerns vermeiden. In Bankenkreisen hieß es gestern, es werde bereits intensiv an einer Auffanglösung gearbeitet. Beteiligen werden sich die Bayerische Landesbank, die Hypo-Vereinsbank, die Commerzbank und die DZ-Bank. Wichtigster Bestandteil des Rettungspakets ist eine erneute Finanzspritze von insgesamt mindestens 800 Mill. Euro.

Aus der Kirch-Gruppe hieß es gestern, von einem Insolvenzantrag der Kirch Media am heutigen Montag sei auszugehen. Die Konsequenz: Auch das Bezahlfernsehen Premiere und die Holdinggesellschaft Taurus könnten vor dem Aus stehen. "Das ist zu erwarten", hieß es bei den Banken. Die börsennotierte Tochtergesellschaft Pro Sieben Sat 1 Media AG teilte dagegen mit, sie sei von einer Kirch-Insolvenz nicht unmittelbar betroffen.

Die bayerische Staatsregierung ist in den Fall Kirch direkt involviert. Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte gestern im ZDF: "Ich gehe davon aus und habe sichere Anzeichen, dass das Unternehmen als integrierter Medienkonzern fortgeführt werden kann." Wirtschaftsminister Otto Wiesheu hat sich in die Verhandlungen mit den Banken eingeschaltet. Zurückgewiesen wurden Meldungen, das Land wolle sich direkt über die Förderbank LfA beteiligen.

Gründung einer Auffanggesellschaft

Nach den Vorstellungen der Banken soll eine Auffanggesellschaft gegründet werden, die dann den sanierungsfähigen Teil, insbesondere das TV-Geschäft und den Rechtehandel, erwirbt. Das setzt jedoch das Einverständnis des Insolvenzverwalters voraus. Möglicherweise gehen die Beteiligten am heutigen Nachmittag bereits an die Öffentlichkeit.

Auch der Axel Springer Verlag will eine zentrale Rolle übernehmen. "Eine strategische Position in der Auffanggesellschaft erwarten wir schon", hieß es gestern bei Europas größtem Zeitungskonzern. Insider sprechen von einem Anteil von 25 %, den Springer an der Auffanggesellschaft übernehmen will. Aus Bankkreisen verlautete, man sei für ein Engagement Springers offen, wenn der Verlag auch frisches Kapital mitbringe. Springer-Chef Mathias Döpfner hatte mit seiner Forderung über 767 Millionen Euro die Kirch-Krise im Januar ausgelöst. Jetzt steht er möglicherweise mit leeren Händen da, weil seine Forderung (Put-Option) mit der Kirch-Insolvenz nahezu wertlos werden könnte. Döpfner, der zuletzt erstmals Verluste für den Springer-Konzern ausweisen musste, wollte sich mit den Kirch-Geldern sanieren. Zudem wird die WAZ-Gruppe als Partner für die Auffanglösung gehandelt. Die bisherigen Kirch-Partner Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi sind dagegen mit der Insolvenz zunächst außen vor.

Gleichzeitig wurde aus der Kirch- Gruppe gestern bestätigt, dass die Rechte an der Fußball-WM 2002 und 2006 voll an die Schweizer Tochterfirma Kirch-Sport übertragen wurden. Dies sei auf Wunsch des Weltfußballverbandes Fifa und mit Zustimmung der Banken erfolgt. Kirch und sein Vize Dieter Hahn könnten sich dadurch aber nicht persönlich bereichern.

Quelle: Handelsblatt

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