Springer überdenkt Multimedia-Strategie – T-Online sieht geplantes Joint Venture nicht gefährdet
Rätselraten um Zukunft von Bild.de

Das laue Anzeigengeschäft zwingt den Springer Verlag zum Sparen. Auch beim Prestigeprojekt Bild.de wird der Rotstift angesetzt. Die Nachrichten für das Internet-Portal soll jetzt die Bild-Zeitung in Hamburg liefern.

tnt FRANKFURT/BERLIN. Das Online-Projekt Bild.de wird dem Axel Springer Verlag offensichtlich zu teuer. Allein in diesem Jahr wird das Prestigeobjekt, an dem sich die Telekom-Internettochter T-Online mit 37 % beteiligen will, voraussichtlich 45 Mill. Mark kosten. Aufgrund der schlechteren Ertragslage des Medienkonzerns tritt der Vorstand jetzt auf die Kostenbremse.

Statt einer eigenen Online-Nachrichtenredaktion in Berlin, die Neuigkeiten aus Politik, Show, Kultur und Wirtschaft für das Internet-Angebot liefern sollte, wird Bild.de--Chefredakteur Udo Röbel künftig eine auf rund 40 Mitarbeiter geschrumpfte Mannschaft aus Inhalte- und Projektmanagern leiten.

Die Nachrichten-Inhalte werden nach den jetzigen Plänen aus der Nachrichtenredaktion der Bild-Zeitung in Hamburg unter der Leitung des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann zugeliefert. "Wir wollen mit Bild einen Dienstleistungsvertrag abschließen, der dem mit einer Nachrichtenagentur entsprechen wird", erläutert Ex-Bild-Chefredakteur Röbel die Pläne. Der jetzt ausgelagerte Nachrichtenbereich soll demnach maximal 20 % der Inhalte des Entertainment-Portals ausmachen. "Wir ähneln einem Fernsehsender, der Sendeformate für das Internet aufarbeitet", beschreibt Röbel das Konzept. Allerdings kämpft Bild.de bei der technischen Umsetzung noch immer mit erheblichen Schwierigkeiten bei der eingesetzten Software.

Noch im Februar hatte der Springer Verlag den Umzug der Online-Redaktion von Bild.de von Hamburg nach Berlin verkündet. Ziel war es zu dieser Zeit ein Entertainment-Portal ins Internet zu bringen, dass mit eigenen Inhalten der Bild.de-Redaktion gefüllt werden sollte. "Es war von Anfang an geplant, die Synergiepotenziale zwischen Bild und Bild.de zu nutzen", verteidigt eine Verlags-Sprecherin den Schritt. Jetzt werden wohl einige der Redakteure wieder den Rückweg nach Hamburg antreten.

Gelassen gibt man sich über die geänderten Pläne bei Springer beim Kooperationspartner T-Online International AG, die rund 80 Mill. DM in das geplante Joint-Venture Bild.de/T-Online einbringen wird. "Wir gehen nicht davon aus, dass die Entscheidung des das gemeinsame Vorhaben eines Unterhaltungsportals Bild.de/T-Online beeinträchtigt", sagte eine Sprecherin. Derzeit würden den die Anträge für die Prüfung durch das Bundeskartellamt vorbereitet, lägen der Behörde aber noch nicht vor. Als Geschäftsführer des Joint-Venture wird der ehemalige Yahoo-Chef Peter Würtenberger antreten.

Entgegen der offiziellen Stellungnahmen gehen unternehmensnahe Kreise allerdings davon aus, dass Springer versucht, das "kostspielige Projekt Bild.de schrittweise tiefer zu hängen". Auch in anderen Bereichen arbeite der Konzern fieberhaft an einer Neuausrichtung seiner Multimediastrategie. Ziel scheint auch hier zu sein, auf die Kostenbremse zu drücken.

Bereits in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass sich im Aufsichtsrat des Medienkonzerns Widerstand gegen das geplante Investitionsprogramm des designierten Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner regt. Vor allem Finanzvorstand Ralf Kogler soll Bedenken gegen Investitionen im dreistelligen Millionenbereich in den nächsten zwei bis drei Jahren geäußert haben. Im Gegensatz zu Mehrheitsaktionärin Friede Springer drängt Großaktionär Leo Kirch darauf, die Ertragslage bei Springer zu verbessern.

Etwas finanzielle Entlastung könnte dem Verlag das Ende des Kölner Gratis-Zeitungskrieges bescheren. Nach dem Schibsted-Verlag kündigten gestern auch Springer und das Verlagshaus DuMont Schauberg die Einstellung ihrer kostenlosen Tageszeitungen an. Springers "Extra-Köln" wird heute, der "Kölner Morgen" von DuMont am Freitag zum letzen Mal erscheinen.

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