Springer verabschiedet sich vom Corporate Publishing: Burda kauft Springers Kundenzeitschriften

Springer verabschiedet sich vom Corporate Publishing
Burda kauft Springers Kundenzeitschriften

Der Burda-Verlag investiert in Kundenzeitschriften: Burda übernimmt die Anteile am Yukom-Verlag von Springer. Dabei leidet Corporate Publishing unter stagnierenden Werbeausgaben.

MÜNCHEN. Sie hängen in Bahnwaggons oder stecken in Taschen der Flugzeugsitze: Kundenzeitschriften wie das Lufthansa-Magazin oder die Zeitschrift der Deutschen Bahn sind eine nicht ausgeschöpfte Marktnische für Verlage. Hubert Burda Media will deshalb das Geschäft mit Unternehmenspublikationen ausbauen. Der Burda - Verlag steht offenbar kurz davor, den 51%-igen-Anteil an dem Münchener Corporate- Publishing-Unternehmen Yukom Medien vom Axel-Springer-Verlag zu übernehmen. Noch in dieser Woche soll das Geschäft Unternehmenskreisen zufolge beschlossen werden. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Mit dem Business-to-Business-Verlag Yukom würde Burda unter die fünf größten Anbieter von Kundenzeitschriften aufrücken. Der Burda-Ableger würde dann 40 Zeitschriften für Unternehmen wie Allianz, Microsoft und Mitsubishi verlegen.

Yukom könnte später mit der Kundenzeitschriften-Sparte Burda Com zu Burda! Yukom verschmolzen werden. Yukom-Verleger Manfred Hasenbeck würde an der neuen Firma einen Anteil von 25,1 % halten, wie er im Gespräch mit dem Handelsblatt bestätigt. Unterdessen räumte der Axel-Springer-Verlag ein, aus dem Geschäft mit Kundenmagazinen auszusteigen. "Wir beschränken uns auf das Kerngeschäft mit publizistischen Produkten für den Endverbraucher", sagt Frank Werner, Vertreter des Springer-Verlags bei Yukom.

Die Erwartungen bei Burda sind hoch: "Die direkte Kommunikation mit dem Kunden wird für Unternehmen eine immer größere Rolle spielen", prophezeit Christoph Schneider, Verlagsleiter des Burda Publishing Centers und Spezialist für Kundenzeitschriften. Burda Com würde in die Verbindung als neuen Kunden die Drogerie-Kette Müller einbringen. Der Umsatz des fusionierten Unternehmens würde "im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich" liegen, so Hasenbeck. Hubert Burda Media erwirtschaftete im Jahr 2001 einen Netto-Umsatz von 1,4 Mrd. Euro.

Mit rund 4 000 Kundenzeitschriften machen Verlage und Redaktionsbüros in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Jahr 2001 insgesamt 4,4 Mrd. Euro Umsatz, meldet der Branchenverband Forum Corporate Publishing. Zu den Großen der Branche zählen Gruner + Jahr Corporate Media mit dem Bahn-Magazin und Corps Corporate Publishing Services, eine Tochter der PR-Agentur ECC Kohtes Klewes und der Verlagsgruppe Handelsblatt. Der Verlag erstellt unter anderem das Audi-Magazin und arbeitet für Philip Morris.

Eine Goldgrube ist der Markt für Kundenzeitschriften in der aktuellen Werbeflaute allerdings nicht. Viele selbstständige Journalisten und frühere Verlagsmitarbeiter tummeln sich gemeinsam mit zehn großen Anbietern im Wettbewerb um neue Kunden. Denn insgesamt haben die Unternehmen im vergangenen Jahr rund 20 % weniger für die Kundenkommunikation und Werbung ausgegeben. "Der Markt steht vor einem Konzentrationsprozess", sagt Hasenbeck. Einstige Hoffnungsträger wie Unternehmensfernsehen und Internetangebote haben sich inzwischen für die Verlage als Verlustbringer herausgestellt.

Das Potenzial für Wachstum sehen die Verlage jetzt vor allem bei mittelständischen Betrieben, die noch keine Publikation zur Kundenbindung herausgeben. Hoffnung auf steigende Nachfrage spenden vor allem Projekte wie die Fernsehzeitschrift "TV Karstadt", die die Kaufhauskette seit vergangenem Herbst erfolgreich mit gut 200 000 Exemplaren an ihre Kunden verkauft. Auch andere Handelskonzerne könnten nachziehen, hofft die Branche. In der Kundenansprache via Handy-Kurznachrichten sieht Burda-Verlagsleiter Schneider ebenfalls Wachstumschancen.

Auch den Werbekunden sollen die Unternehmensmagazine künftig näher gebracht werden, berichtet Bernd Klosterfelde, Geschäftsführer der Gruner + Jahr Corporate Media. Die Unternehmen sollen ihre Kunden-Magazine dann über Werbung leichter refinanzieren können. Dazu soll es neue Marktuntersuchungen geben. Bislang stehen kaum Daten über den Markt der Kundenzeitschriften und keine verlässlichen Preisberechnungssysteme für Werbekunden zur Verfügung.

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