Springer-Vorstand vor Sonderprüfung
Leo Kirch bleibt am Ball

Von wegen "lahmer Löwe": Leo Kirch kämpfte bis lange nach Sonnenuntergang. Als am Dienstagabend die Aktionäre des Axel Springer Verlages nach zehn Stunden auseinander gingen, thronte der Filmhändler ungerührt auf der Aufsichtsratsbank.

HB/dpa BERLIN. Kontrahentin Friede Springer hatte schon das Feld geräumt - im 19. Stock der Berliner Verlagszentrale zeigte es der insolvente Medienunternehmer allen noch einmal. Mit Hilfe der Kleinanleger setze Kirch eine Sonderprüfung des Vorstands sowie Forderungen nach Schadenersatz gegen Springer durch.

Die unabhängige Analyse soll Kirchs nagenden Verdacht bestätigen: Europas größtes Zeitungshaus drehte entscheidend am Niedergang seines Imperiums mit. Allerdings könnte sich für Kirch die Sonderprüfung als Pyrrhus-Sieg erweisen. Denn die Hauptversammlung beschloss mit den Stimmen der Kleinaktionäre auch die PrintBeteiligungs (PB) GmbH unter die Lupe zu nehmen, die Kirchs 40-Prozent-Anteil an Springer hält.

Zunächst werden Juristen beschäftigt sein

Bis dahin kann es noch lange dauern. Viele Kleinaktionäre vermuten, dass Kirch über eine Sonderprüfung an vertrauliche Springer-Papiere gelangen will. Sie legten noch am Abend Einspruch ein. So werden zunächst eher die Juristen als die Buchprüfer beschäftigt sein. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner äußerte sich eher genervt als belastet.

Der junge Manager ist sich gewiss, nur das Beste für seinen Verlag unternommen zu haben. Sollten die Prüfer aber wirklich einrücken, wird sich Döpfner die Frage gefallen lassen müssen: Warum hat er noch im Frühjahr angesichts der drohenden Kirch-Insolvenz auf eine Verkaufsoption für Springers 11,5-Prozent-Anteil an der ProSiebenSat.1 Media AG bestanden?

Kirch darf noch bis 2004 im Springer-Aufsichtsrat sitzen

Erst durch die Forderung nach Rückkauf des 767-Millionen-Euro-Pakets, so Kirchs Argument, seien die Pleitegeier auf seine Firmen spitz geworden. Döpfner, so behauptet Kirch, habe mit der "put option" nicht nur ihm geschadet, sondern auch Springer selbst. Der Verlagsvorstand habe auf Druck von Mehrheitsaktionärin Friede Springer ein Angebot abgelehnt, die Option in eine 16-Prozent-Beteiligung an der Senderfamilie umzuwandeln. Sie würde heute einem Anteil von 28 Prozent entsprechen.

Mit der Pleite der Kirch-Media sei die Option aber wertlos. Für Döpfner war die Forderung nach Rückkauf unausweichlich, um angesichts der Kirch-Krise Schaden abzuwenden. "Sie wollten den unliebsamen Aktionär Leo Kirch durch Erhöhung des finanziellen Drucks loswerden", lautet das Verschwörungsszenario von Kirchs Anwalt Roland Frohne. Die Verleger-Witwe habe mit einer Kirch-Pleite den Zugriff auf weitere Teile der Springer-Aktien bekommen und ihre Stellung als Hauptinhaberin sichern wollen. Wegen der Aufteilung des Springer-Erbes streiten zur Zeit die Verlegerwitwe mit den Springer-Enkeln Axel Sven und dessen Schwester Ariane vor Gericht.

Kirch, der noch bis 2004 im Springer-Aufsichtsrat sitzen darf, will nicht aufgeben. Er lehnt jeden Kompromiss ab. Seine Verlagsaktien dürften ihm bald nicht mehr gehören. In der vergangenen Woche waren sie an die Deutsche Bank gefallen, bei der Kirch mit 730 Millionen Euro in der Kreide steht. Zwar hofft Kirch, das Springer-Paket noch selbst verwerten zu können. Doch ob der Schweizer Ringier-Verlag als Hauptinteressent dafür zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro auf den Tisch legt, ist zur Zeit eher ungewiss.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%