Springers Flagschiff wird 50
Bild feiert in der Branchenkrise

Die Bild-Zeitung wird heute 50 Jahre alt. Krisen und Skandale haben Europas auflagenstärkste Boulevardzeitung nicht immer Rekordauflagen beschert. Wie alle Zeitungen leidet auch Bild in diesen Tagen unter schrumpfendem Absatz. Die meisten Werbekunden bleiben dem Blatt dennoch treu.

lip/pes HAMBURG. Kaum eine andere deutsche Publikation hat so häufig ihre Redaktionsspitze gewechselt wie die Bildzeitung - Kai Diekmann ist derzeit der "dreizehnte" Chefredakteur der größten Tageszeitung Deutschlands. Abergläubische Menschen könnten nun nervös werden - nicht so Dieckmann. "Der Erfolg des letzten Jahres und die Stabilität in der momentanen Krise zeigen, dass Bild journalistisch kerngesund ist", sagt er.

Keine andere Zeitung steht mehr im Focus öffentlicher Meinung und damit in der Kritik wie das Flaggschiff des Berliner Axel Springer Verlags. Denn die Bild-Schlagzeilen, die an den Kiosken als "(K)aufmacher" dienen sollen, bestimmen manchmal Trends, möglicherweise sogar Kampagnen. Titel wie "Vom Dackel der Schwiegermutter entmannt" sorgen vor allem für eins: Schmunzeln. Die jüngste Anti-Teuro-Kampagne, bei der in der Zeitung Coupons für Rabatte in bestimmten Geschäften verteilt wurden, sorgt einmal mehr für Wirbel. Wie schon häufiger, wird der Deutsche Presserat die Bild-Aktion prüfen.

In ihrem 50jährigen Bestehen hat Bild turbulente Zeiten erlebt. So geriet die Zeitung und der Verlag bei den Studentenunruhen Ende der 60er Jahre ins Zentrum von Auseinandersetzungen. Sie bezeichnete die Jungen als "Radaumacher", als "Krawallstudenten" und erntete hierfür heftige Gegenwehr. Mit dem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke eskalierte die Lage: Unter der Devise "Bild hat mitgeschossen" wurde die Zeitung und der Springer-Verlag zum Ziel von Anschlägen und verlor in der Folge mehr als eine Million an Auflage.

Eine ihrer größten Krisen erlebte die Zeitung 1977. Dafür hatte vor allem Günter Prinz gesorgt, der bis 1980 die Zeitung leitete. Er hatte bei seinem Amtsantritt den Lesern erklärt: "Sie werden nie eine langweilige Zeitung bekommen, manchmal werden sie eine unbequeme Zeitung bekommen, aber immer eine wahrhaftige." Tatsächlich war es unter seiner Ägide mit der Wahrhaftigkeit schlecht bestellt. Getarnt als Reporter Hans Esser in der Außenstelle Hannover deckte der Schriftsteller Günter Wallraff die dunklen Seiten der Maschinerie "Bild" auf, die der Auflage wegen jegliche journalistische Grundregeln missachte.

Auch heute steckt Europas auflagenstärkste Zeitung mit knapp elf Millionen Lesern in der Krise. So brach die Auflage im 1. Quartal 2002 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal um fast 5 % auf 4,08 Mill. Exemplare ein. Seit Anfang 2000 war die Auflage im Verhältnis nicht mehr so stark gesunken. Allerdings ist das kein hausgemachtes Problem. Nahezu alle überregionalen Zeitungen leiden an Auflagenschwund. Die Bild-Zeitung und ihr Schwesterblatt "Bild am Sonntag" gehören zu den Haupt-Geldquellen des Axel Springer Verlags, der im vergangenen Geschäftsjahr in die schwerste Krise der Firmengeschichte rutschte. Erstmals musste der Print-Konzern einen Verlust von knapp 200 Mill. Euro ausweisen.

Obwohl insgesamt die Ausgaben der Unternehmen für Reklame in Tageszeitungen im vergangenen Jahr um 14 % auf 5,6 Mrd. Euro geschrumpft sind, gilt Bild in der Werbebranche immer noch als "unerreichter Werbeträger", so Dietmar Rehker, Mit-Geschäftsführer der Agentur Mediacom Europe, einem der größten Makler zwischen Medien und Werbekunden Deutschlands. Die Kaufzeitung werde aus Sicht der werbenden Unternehmen nicht unmodern: "Wo sonst kann man so viele Leser erreichen?"

Auf das Internet-Angebot von Bild, einem der ambitionierten, aber weniger erfolgreichen Ableger der Springer-Zeitung, lasse sich das positive Image aber nicht ohne weiteres übertragen, so Rehker. Für Werbekunden gebe es im Internet zu viele gute Konkurrenz-Angebote.

Quelle: Handelsblatt

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