Sprint-Star gibt sich auch nach Ullrich-Rückkehr locker
Siegen im Schatten

An Jan Ullrich kommt Erik Zabel nicht vorbei. Mag der Telekom-Kapitän, seit gestern wieder Weltranglistenerster, auch noch so vehement sprinten und noch so großartig siegen, alle Aufmerksamkeit gehört dem neuen Star des Teams - wieder einmal auch ohne eine einzige Pedalumdrehung. Erik Zabels Triumph beim Herbstklassiker Paris-Tours am Sonntag schrumpfte in den Medien unter den großen Aufmachern über Jan Ullrichs Rückkehr zu Telekom zur Meldung.

FRANKFURT/MAIN. Die Tour de France startet in neun Monaten, Tours war gestern - wen kümmert's. Als sich Erik Zabel gestern mit der deutschen Mannschaft zum Abflug zur Weltmeisterschaft nach Kanada traf, stand Jan Ullrich erneut im Blickpunkt, nicht auf dem Frankfurter Flughafen (er hat auf einen WM-Start verzichtet), sondern in der Bonner T-Mobile-Zentrale. Die Mobilfunktochter der Telekom übenimmt ab Januar die Sponsorschaft.

Der Termin nach Ullrichs Ja-Wort stand unter dem Motto: "Zwei starke Partner, ein Ziel: die Tour de France 2004." Er sei oft genug Zweiter gewesen und wolle die Tour noch einmal gewinnen, verkündete ein gestresster Jan Ullrich. Dafür sei das vertraute Team stark genug. "Das beste Team der Welt ist die beste Lösung. Ich will nicht mehr mit meiner Zukunft spielen." Die Trennung von Bianchi belaste ihn durchaus. "Ich hab's leicht. Die anderen sitzen auf der Straße." Von den alten-neuen Kameraden wird er akzeptiert. Er sei sogar von ihnen angerufen und aufgefordert worden: "Komm zurück." Auch von Alexander Winokurow. Dieser Anruf seines Freundes sei mit ausschlaggebend gewesen. Rivalität mit dem Tour-Dritten werde es daher nicht geben. Ullrich sagte: "Für den Stärksten wird gefahren. Wir sind dadurch für Lance Armstrong unberechenbarer geworden." Armstrong hat im Sommer die Tour zum fünften Mal gewonnen.

Zur Lösung des Problems Rudy Pevenage wurden sogar von Teamchef Walter Godefroot hoffnungsvolle Signale gegeben: "Es geht um das Team, und ich will nicht, dass es unter dem persönlichen Verhältnis zwischen Pevenage und mir leidet. Mario Kummer hat die sportliche Verantwortung und ich habe volles Vertrauen, dass eine Zusammenarbeit zwischen Kummer und Pevenage funktioniert." Godefroot hatte eine erneute Zusammenarbeit mit Pevenage bislang abgelehnt, weil dieser vor einem Jahr, als er Sportlicher Leiter des Teams Telekom war, dieses über Nacht gemeinsam mit dem Star verlassen hatte.

Ullrich wiederholte, er habe seinem Freund Pevenage ein Angebot gemacht, sein persönlicher Sportlicher Leiter zu werden. "Ich werde alles dafür tun, dass Rudy weiterhin mit mir zusammenarbeitet. Eine Lösung bis ins Detail müssen wir jetzt ausfeilen. Denn es ist ganz wichtig, dass er sich auch entfalten kann."

Ullrich stand also im Fokus. Zabel kann sogar ein "kleines Wunder" schaffen, wie er seinen Triumph in Tours über Alessandro Petacchi, den schnellsten Mann der Saison, nennt. An Ullrich hingegen kommt er nicht vorbei. "Ich kann damit leben", sagt Zabel mit leichtem Lächeln und stört sich nicht daran, dass er in der Hierarchie nun wieder den Tour-Sieger von 1997 vor sich hat. "Ich finde es gut, dass Jan zurückkommt", sagt Zabel. Auch wenn er nie aus seinem Schatten fahren wird.

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