Sprintdiva Marie-José Pérec zieht magisch an
Das Phantom der Leichtathletik

Die Franzosen kaufen die Katze im Sack. Im Vorfeld der Leichtathletik-WM, die am 23. August in Paris beginnt, registrieren die Organisatoren eine ungewöhnliche Nachfrage nach Tickets für den Mittwochabend. 55 000 Karten gehen bei den Titelkämpfen im Stade de France pro Abendsession in den freien Verkauf. Bis vor kurzem waren für jenen Abend bereits 35 000 Tickets vergriffen - ungewöhnlich viele für einen WM-Wochentag.

PARIS. Doch um 22 Uhr wird das 400-m-Finale der Frauen gestartet. Dann hoffen die Franzosen auf ein Comeback ihres Sportidols: Marie-José Pérec.

Wie groß die Chance ist, dass "Marie-Jo" tatsächlich antritt, weiß niemand - vielleicht noch nicht einmal sie selbst. Zu viel ist passiert in der Karriere der 35-Jährigen, die 1996 als erste Sprinterin zu einem olympischen Doppelsieg über 200 und 400 Meter lief. Seit 1996 hat Pérec neben einigen 200-m-Renen lediglich einen einzigen 400-m-Lauf bestritten. 1997 stoppte sie eine Verletzung, 1998 warf sie ein Virus aus der Bahn. Vor den Spielen in Sydney trainierte sie beim Rostocker Wolfgang Meier, der 1985 seine heutige Frau Marita Koch zum noch immer unerreichten 400-m-Weltrekord von 47,60 Sekunden geführt hatte und dem Pérec zuvor vorgeworfen hatte, dass dies nur mit Doping möglich gewesen sei.

2000 in Sydney, wenige Tage vor dem Showdown mit Cathy Freeman, spielten ihr die Nerven einen Streich. Pérec fühlte sich bedroht, obwohl sie in einem abgesicherten Hotel wohnte. Sie flüchtete Hals über Kopf aus Sydney und tauchte erst viel später in Guadeloupe, ihrer ursprünglichen Heimat, wieder auf. Seit diesem Winter trainiert sie in San Diego. "Ich möchte in Paris ins Finale kommen", sagte Pérec.

Doch ihr geplantes Comeback am 30. April sagte sie ab. Aufgrund eines entzündeten Ischiasnervs hat sie den ersten Start seit Juli 2000 auf unbestimmte Zeit verschoben. Doch die drittschnellste 400-m-Läuferin aller Zeiten hat noch Zeit. Erst Ende Juli wird der französische Verband das WM-Team nominieren. Und Pérec wird notfalls noch etwas mehr Zeit für die Qualifikation eingeräumt. Denn für Verbandspräsident Bernard Amsalem ist sie "die größte Athletin der französischen Leichtathletik".

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