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Spröde und schön: Donald Judd in Düsseldorf

Düsseldorf (dpa) - Die erste große Werkübersicht seit dem Tod des amerikanischen Künstlers Donald Judd 1994 zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Ausgestellt werden bis zum 5. September bei der einzigen deutschen Präsentation rund 40 Arbeiten.

Düsseldorf (dpa) - Die erste große Werkübersicht seit dem Tod des amerikanischen Künstlers Donald Judd 1994 zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Ausgestellt werden bis zum 5. September bei der einzigen deutschen Präsentation rund 40 Arbeiten.

Mit seinen geometrischen Raumkörpern hat Judd die plastische Kunst der Gegenwart wesentlich neu definiert. Der Bogen reicht in der Exposition von frühen Gemälden über Werke von Plastik und Malerei bis zu seinen kubischen Bodenarbeiten aus farbigen, verschraubten Blechen. Dass Judds komplexes Werk weit über den lediglich an Maß und Konzept orientierten Minimalismus hinaus geht, beweist die aus der Londoner Tate-Gallery nach Düsseldorf übernommene Schau schlagend.

«Material, Raum und Farbe sind die Hauptaspekte der bildenden Kunst», fand Donald Judd: Eine große, kupferne Box von 1972 zeigt überwältigend, wie radikal der 1928 geborene Amerikaner diese Grundbegriffe auf den Punkt zu bringen verstand. Der kaum wahrzunehmende kadmiumrote Boden der Box reflektiert glühend in den kupfernen Seitenwänden und verleiht dem eigentlich spröden Bodenobjekt eine sinnliche Präsenz im Raum.

Den Weg Judds zu dieser künstlerisch-intellektuellen Meisterschaft dokumentieren frühe, seit 1961 entstandene Arbeiten. Eine rechteckige Alu-Backform, eingesenkt in eine einfarbig dunkelblaue Oberfläche, ist der entscheidende Schritt zur Eroberung der Räumlichkeit. Ein großer roter Quader, in dessen obere Fläche ein graues Rohr-Segment eingelassen ist, lebt durch Differenzen der Farben, von Innen und Außen, von Rund und Eckig. Sechs Stahlwürfel von je einem Meter Kantenlänge werden bei einer titellosen Arbeit von 1969 dadurch spannend, dass ihr Zwischenraum genau ein Viertel ihrer Kantenlänge ausmacht.

Dreißig hölzerne Ein-Meter-Kästen montierte Judd 1986, nach kompliziertem Zahlengesetz eine ganze Saalwand füllend, in drei Reihen. Um das vielfältige Spiel von Schatten, Spiegelungen, Proportionen und Winkeln erfassen zu können, muss der Betrachter vielfach seinen Standpunkt wechseln - und fühlt sich wie bei der Besichtigung vor der Fassade einer Kathedrale oder eines Renaissance- Palastes. Quaderförmige Wand- und Bodenstücke aus verschraubten Blechkästen, die in leuchtenden Grundfarben kurz vor dem Tod des Künstlers entstanden sind, stellen Judd in die Reihe der «Farbforscher» von Mondrian und Albers bis Barnett Newman.

Die Ausstellung wird vom 2. Oktober an (bis 9. Januar 2005) noch im Kunstmuseum Basel und im Museum für Gegenwartskunst in Basel gezeigt.

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