Sprung in die europäische Liga geplant
Deutsche Bank setzt verstärkt auf Privatkunden

Die Maßnahmen, mit denen der Deutsche Bank-Vorstandschef Josef Ackermann die Kosten senken und die Erträge steigern will, sollen sich nun auch positiv auf das operative Ergebnis im Privat- und Firmenkundengeschäft des Geldhauses auswirken.

Reuters FRANKFURT. Das neu geordnete Geschäftsfeld "Private & Business Clients" solle im Jahr 2004 ein operatives Ergebnis von einer Milliarde Euro erzielen, sagte der Chef des Geschäftsbereiches, Herbert Walter, am Donnerstag in Frankfurt. Zwei Drittel des geplanten Ergebnisanstiegs solle durch Kosteneinsparungen, ein Drittel durch Ertragssteigerungen erzielt werden. Dabei werde es auch zu einem weiteren Abbau von Filialen kommen.

In der neuen Einheit wird die Deutsche Bank künftig das Geschäft mit vermögenden Privatkunden, das Massenkundengeschäft der Deutschen Bank 24, die Online-Aktivitäten von maxblue und Teile des Firmenkundengeschäfts bündeln. Die Einführung der neuen Struktur soll schrittweise ab Oktober 2002 erfolgen.

Mit der Neuordnung des Bereichs will die Deutsche Bank zu Konkurrenten wie der Citigroup aufschließen, die in Deutschland mit der Citibank ein hochrentabeles Retail-Geschäft betreibt. Analysten beurteilten die Pläne skeptisch.

Acht neue Kernbereiche

"Es ist unser Ziel, das operative Ergebnis bis 2004 auf eine Milliarde Euro signifikant zu steigern und auch den Sprung an die Spitze der europäischen Liga zu schaffen", sagte Walter. Die Zielgruppen des Bereichs "Private & Business Clients", der zu den neu definierten acht Kernbereichen der Deutschen Bank zählt, sollen künftig in so genannten "Investment & Finanzcentern" betreut werden.

In Deutschland werde die Bank ab 2003 über 770 dieser Center verfügen, in denen Bankdienstleistungen für alle Kundengruppen des Bereichs angeboten werden sollen. Damit wird das Geldhaus die Zahl seiner Filialen von derzeit 1030 weiter reduzieren. Ergänzt werden sollen diese Center durch 300 zusätzliche Selbstbedienungseinrichtungen und 120 Agenturen mit mobilen Finanzberatern.

Im Zuge der Neuordnung werde die Bank rund 4000 der 25 000 Stellen in dem Geschäftsbereich streichen. Diese seien aber bereits in der früher bekannt gegebenen Zahl von 14 500 abzubauenden Arbeitsplätzen enthalten. Die Kundenzahl will die Bank in dem neuen Bereich bis 2004 auf 14 Millionen von derzeit 12,6 Millionen steigern. Akquisitionen seien nicht geplant.

Die Deutsche Bank richtet wie andere deutsche Geldhäuser ihr Augenmerk angesichts schwacher Kapitalmärkte und sinkender Erträge vor allem im Investmentbanking wieder verstärkt auf Privatkunden. Ackermann hatte in der vergangenen Woche gesagt, sein Haus wolle in den nächsten zwölf bis 18 Monaten in diesem Bereich zum Rivalen Citibank aufschließen. Zum weitaus größten Teil ist das Geschäft mit Privatkunden in Deutschland in der Hand von Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Analysten bleiben skeptisch

"Wir sehen keine Anzeichen für eine Erholung des Retail-Geschäftes (der Deutschen Bank)", schrieb Analyst Metehan Sen von Sal Oppenheim am Donnerstag in einem Marktkommentar. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Personal-Banking-Einheit der Bank im ersten Halbjahr ohne den Erlös aus den Verkauf des Versicherers Deutscher Herold rote Zahlen geschrieben habe. Dennoch hält Sen eine Verbesserung der Profitabilität im Privatkundengeschäft für erforderlich: "Wenn die Deutsche Bank keinen Erfolg im deutschen Retail-Geschäft hat, sind ihre Ambitionen, die Führungsrolle in Europa zu übernehmen, in Gefahr."

Neben der Stärkung ihrer Kerngeschäftsfelder setzt die Deutsche Bank offenbar auch den von Ackermann eingeschlagenen Kurs fort, sich zügig von Randgeschäften zu trennen. Aus Kreisen hieß es am Donnerstag, die Bank habe sich auf einen bevorzugten Bieter für das Wertpapierverwahrungsgeschäft (Custody) festgelegt. Außerdem seien die Pläne zum Verkauf des Geschäfts mit nicht börsennotierten Unternehmen und Beteiligungen (Private Equity) intensiviert worden.

Der Kurs der Deutsche-Bank-Aktien lag am Nachmittag in einem schwachen Marktumfeld 3,5 Prozent im Minus bei 60,57Euro.

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