Sprung in die schwarzen Zahlen ist nicht ausgeschlossen
Manche Totgesagte leben länger

Vor einem Jahr haben obskure Todeslisten für den Neuen Markt die Anleger in Schrecken versetzt. Zwar gab es inzwischen tatsächlich Pleiten, doch einige Ausfallkandidaten haben sich überraschend gut berappelt.

FRANKFURT/M. Als im letzten Jahr umstrittene Todeslisten die Anleger schockierten, hielten viele den Kursverfall am Neuen Markt nur für eine vorübergehende Korrektur. Inzwischen ist alles anders. Nachdem rund 5 % der Unternehmen des Wachstumssegments einen Insolvenzantrag gestellt haben, sind Firmenpleiten beinahe schon an der Tagesordnung. In einigen Fällen wie Gigabell und Metabox lagen die Autoren der Aufsehen erregenden Listen richtig. Andere der schon tot geglaubten Firmen überzeugen inzwischen sogar die Analysten wieder.

So ist zum Beispiel dem Berliner Telekommunikationsdienstleister Teles der Sprung in die schwarzen Zahlen offenbar gelungen. Das auf so genannte Internet-Mehrwertdienste spezialisierte Unternehmen erfreute die mit Negativ-Meldungen überfütterten Anleger des Neuen Marktes zum Wochenschluss mit der Nachricht, dass es seinen Barmittelbestand auf beinahe 30 Mill. Euro erhöht habe. Angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen vor Zinsen und Steuern inzwischen Gewinne schreibt, haben auch die Analysten das Vertrauen in Teles zurückgewonnen. SES Research sieht das Unternehmen, das sich konsequent von seinen Verlustbringern getrennt habe, als "Outperformer". Auch die Kollegen vom ebenfalls bankenunabhängigen Researchhaus Performaxx empfehlen den Titel zum Kauf - allerdings nur spekulativ orientierten Anlegern. Sie loben, dass auf Teles keine langfristigen Verbindlichkeiten lasten. Die Anleger haben sich offenbar teilweise schon überzeugen lassen: Der Kurs, der lange Zeit um die 2-Euro-Marke herumdümpelte, notiert derweil bei 3 Euro.

Gelungener Turnaround bei Netlife

Auch Netlife wurde von der Börse für den gelungenen Turnaround belohnt: Der Aktienkurs hat sich inzwischen deutlich von seinem Jahrestief bei 2,12 Euro gelöst und notiert bei über 7 Euro. Der Hamburger Software-Spezialist für Finanzdienstleister, der sich zuvor weltweit in Kleinstprojekten verzettelt hatte, trennte sich von allerhand überflüssigem Ballast und schaffte so im ersten Quartal den Sprung in die Gewinnzone. Für das zweite Quartal, über das sich das Unternehmen am 31. August äußern will, erwarten Analysten mehrheitlich keine bösen Überraschungen. Sie setzen darauf, dass vielen Altverträgen weitere Aufträge folgen.

Auch der gefallen Engel Ixos hat sich die Gunst der Analysten zurück erarbeitet. Nachdem der Anbieter von Software für das Management von Dokumenten im Frühjahr letzten Jahres seine Planzahlen erneut deutlich verfehlt und schwere Vertriebsprobleme eingestanden hatte, wähnten manchen den Titel schon auf der Todesliste. Auch von Analysten schlug dem von der Börse niedergeprügelten Wert damals die geballte Skepsis entgegen. Unter einer neuen Vorstandsmannschaft konzentrierte sich das Unternehmen wieder auf das Kerngeschäft und mühte sich nach Kräften, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Offenbar mit Erfolg: In dem Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/2001 erwirtschaftete die Gesellschaft einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von knapp 6 Mill. Euro. Die Analysten jubeln: Sowohl die Hypo-Vereinsbank als auch SES sehen die Aktie als Outperformer. Etwas vorsichtiger der Helaba Trust, der den Titel zwar heraufstufte, aber nur von "untergewichten" auf "neutral". Das Bankhaus Merck Finck setzte den Titel auf die Kaufliste und zwar mit der expliziten Begründung, dass Ixos nicht nur als eines der ersten Unternehmen des Neuen Marktes in die Krise geschlittert sei, sondern auch als eines der ersten wieder herausfinde.

Bei allem Lob für die Firmen, denen die Sanierung gelang, bleibt Vorsicht angesagt. Mangels Größe und Kapital wird es vielen Neue-Markt-Firmen auch in Zukunft schwer fallen, sich den Unwägbarkeiten schwankungsanfälliger Branchen wie Software oder IT zu entziehen. Die Analysten, durch die Erfahrungen der letzten Monate vorsichtig geworden, legen die Aktien der Turnaround-Kandidaten deshalb nur spekulativen Anlegern ans Herz.

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