Sprung über 3 000 Punkte gilt als positives Signal
Strategen erwarten weiteren Dax-Anstieg

Der deutsche Aktienmarkt kommt wieder in Schwung. Mit dem Sprung über 3 000 Punkte ist der Deutsche Aktienindex (Dax) aus der Handelsspanne zwischen 2 800 und 3 000 Punkten ausgebrochen, in der er seit Mitte April notierte. Das könnte nach Ansicht von Experten ein Signal sein, dass der Aufschwung der letzten Wochen mehr war als eine "Bärenmarkt-Rally", also ein Zwischenhoch in einem Abwärtstrend. "Ein gewisses Maß an Optimismus ist sicherlich vertretbar", sagt Johannes Reich, Aktienchef beim Bankhaus Metzler. "Es gibt von den Unternehmen einige ermutigende Zeichen. Viele haben die Kosten stark gesenkt sowie die Effizienz und die Produktivität gesteigert." Schon leicht bessere Wirtschaftsdaten sollten sich in steigenden Gewinnen niederschlagen, erwartet Reich.

DÜSSELDORF. Die Aktienstrategen von Credit Suisse First Boston haben den jüngsten Kursanstieg in einer Studie mit vier vorangegangenen Erholungsversuchen verglichen und kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass der aktuelle Anstieg nachhaltiger sein könnte. Die Börsianer hätten ein wesentlich schlimmeres Konjunkturszenario eingepreist, als die jüngsten Wirtschaftsdaten vermuten ließen. Jetzt beginne der Markt damit, die Risiko-Prämie wieder auf ein normales Niveau abzubauen, heißt es.

Auch ein Vergleich der unterschiedlichen Anlageklassen spreche für den Aktienmarkt, sagt Reich. "Wenn ich Aktien und Bonds vergleiche, muss ich mich mittlerweile fragen, welche Anlageform das größere Risiko birgt". Aktuell sei ein Stimmungsumschwung zugunsten der Aktien zu beobachten.

Der Kursanstieg an den Börsen wird jedoch nur moderat ausfallen, erwartet Franz Wenzel, Senior Investment Stratege bei Axa Investment in Paris: "Wir laufen nicht in einen neuen Hausse-Markt hinein, sondern bewegen uns in einem Seitwärtsmarkt." Gegen eine Wiederholung der 90er-Hausse sprächen zwei Gründe: Zum einen werde das Nominalwachstum in den kommenden Jahren niedriger und damit das Umsatzwachstum verhaltener ausfallen. Im Durchschnitt prognostizierten Analysten ein langfristiges Gewinnwachstum von 15 % - Wenzel erwartet höchstens 10 %.

Noch wichtiger ist für Wenzel der zweite Grund: In den 80er- und 90er-Jahren stiegen die Aktienmärkte tendenziell um rund 15 % im Jahr, erklärt der Axa-Stratege. Auch damals habe das Gewinnwachstum der Unternehmen im Schnitt nur bei 7 bis 8 % gelegen. Die Folge waren höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV), die die Börsenhausse angetrieben hätten. Ursächlich für die Expansion der KGVs war die rückläufige Inflation, die zu kontinuierlich sinkenden Rentenrenditen geführt und Aktien weiteren Auftrieb geboten hat. "Allerdings wird sich das so nicht wiederholen", sagt Wenzel. Die Notenbanken hätten nach unten kaum noch Spielraum. Unterstelle man, dass die KGVs sich auf dem historischen Durchschnitt von 15 einpendeln, könnten die Kurse nicht stärker steigen als die Gewinne.

Raum für wesentlich höhere Zugewinne lässt hingegen die Charttechnik: "Das Bild sieht sehr gut aus", sagt Wieland Staud von Staud Research. "Wenn der Dax die 3 000 Punkte hält, hat er nach oben einiges an Platz". Die nächste große Widerstandszone sieht Staud bei 3 350 Punkten, darüber sollte er erst bei 3 850 Punkten auf starke Gegenwehr stoßen. Zwar rechne am Markt niemand damit, dass der Dax in solche Regionen vordringen könne, genau hier liege aber die Chance: "Wenn die Kurse doch steigen, ändern die Zweifler ihre Meinung, wechseln auf die Käuferseite und erhöhen dadurch den positiven Effekt."

Sollten die Kurse weiter zulegen, rät Metzler-Stratege Reich zu Werten aus Branchen, die besonders stark auf ein besseres Marktumfeld reagieren. Dazu zählt er Banken und Versicherer, aber auch einige Titel aus Technologie und Investitionsgüterindustrie. "Auf jeden Fall sollten die Anleger aber darauf achten, dass die Unternehmen, in die sie investieren, eine solide Bilanz und keine hohen Schulden haben", rät Reich.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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