Sprung über die 90 Cent
Wachsende Sorgen um US-Konjunktur stützen Euro

Wachsende Sorgen um die US-Wirtschaft haben dem Euro am Mittwochvormittag deutlich über die Marke von 0,90 $ verholfen. Nachdem die zunächst Dollar-stützende Wirkung der Leitzinssenkung der US-Notenbank verpufft sei, habe die Begründung der Fed für den Zinsschritt die Furcht vor einer weiteren wirtschaftlichen Abschwächung in den USA in den Vordergrund gerückt, sagte ein Analyst.

Reuters FRANKFURT. Zudem profitiert der Euro Analysten zufolge davon, dass der Markt mit einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag rechne. Die Gewinne des Yen zum Dollar fielen deutlich geringer aus, weil Händlern zufolge die Furcht vor einer weiteren Intervention der japanischen Notenbank bei einer kräftigen Aufwertung des Yen den Anstieg bremste.

Zeitweilig gewann die Gemeinschaftswährung mehr als ein Prozent auf Kurse über 0,9040 $. Gegen 11.30 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,9035/37 $ fast einen US-Cent über dem New Yorker Schlusskurs vom Dienstag. Auch zum Schweizer Franken notierte die US-Valuta mit 1,6281/87 (Vorabend 1,6388/98) Franken schwächer.

Die weitgehend erwartete Fed-Zinssenkung um 50 Basispunkte auf 2,0 % im Schlüsselzins stützte die US-Aktienmärkte und den Dollar Analysten zufolge nur kurzfristig. Im Vorfeld habe es Käufe in Erwartung der Zinsreduktion gegeben, nach dem Zinsschritt deuteten fallende Kurse der US-Aktienfutures an, dass die Anleger Aktien wieder abstoßen würden, sagte Ian Stannard von BNP Paribas. Nach Einschätzung von Helaba-Devisenstratege Folker Hellmeyer belastete die Begründung der Fed für die Zinssenkung den Dollar zusätzlich. Die Fed habe die Gefahr eines weiteren Wirtschaftsabschwung betont, sagte Hellmeyer. "Dies steht in diametralem Gegensatz zur bisherigen Erwartung an den Aktienmärkten", sagte Hellmeyer. Dort sei bislang von einer schnellen Erholung der US-Wirtschaft ausgegangen worden.

Warten auf die EZB

Händler wiesen zudem darauf hin, dass durch die Zinssenkung der Zinsabstand zwischen den USA und der Euro-Zone weiter angewachsen sei, wodurch Investoren zu Umschichtungen ihrer Anlagen in die Euro-Zone veranlasst würden. "Den wachsenden Zinsabstand hat der Devisenmarkt bisher aber nicht nachvollzogen", sagte ein Händler.

Analysten zufolge rückt nun die EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag in den Vordergrund. EZB-Präsident Duisenberg hätte mit seiner optimistischen Inflationsprognose für die Euro-Zone die Erwartung einer Zinssenkung gestärkt und somit dem Euro Auftrieb gegeben, sagte Hellmeyer. Der Euro sei nun in einem wesentlichen Widerstandsfeld zwischen 0,9020 und 0,9050 $ angelangt. Sollte die Gemeinschaftswährung diesen Widerstand aber nachhaltig überwinden, habe sie Luft bis 0,92 $. Wichtig sei aber zunächst die Entscheidung der EZB. "Wenn die EZB nicht liefert, dürfte das für den Euro ein drastisches Abwärtspotenzial bedeuten", sagte Hellmeyer.

Im Gegensatz zum Euro konnte sich der Yen zum Dollar nicht deutlich festigen. Die anhaltende Furcht vor Interventionen der japanischen Regierung zu Gunsten des Dollar im Falle einer Aufwertung des Yen bremste Händlern zufolge die japanische Währung. Zuvor hatte die japanische Regierung bekannt gegeben, dass sie im dritten Quartal insgesamt 3,2 Billionen Yen (26,42 Mrd. $) für Interventionen im Devisenmarkt ausgegeben habe. Der Dollar zuletzt lag bei 120,93/99 (121,18/26) Yen.

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